Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie beginnt an erster Stelle bei mir selbst

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bedeutet, dass ich einen Job ausüben kann, der mir Spaß macht und ich noch Zeit und die Flexibilität für meine Kinder habe.

Für viele Eltern und vor allem Mütter stellt die Vereinbarkeit  allerdings eine große Herausforderung dar und ich stelle mir die Frage WARUM? Warum ist es ein Reizthema, ein Mythos und warum fühlen sich viele gestresst oder haben ein schlechtes Gewissen?

„Familienfreundliche Arbeitgeber“ meist nur ein schöner Schein

Aktuell ist es so, dass hier die Arbeitgeber und Gesetzgeber zur Verantwortung gezogen werden. Zu unflexibel in der Arbeitszeitgestaltung, keine Betreuungsmöglichkeiten und keine familienfreundlichen Rahmenbedingungen – wie auch immer das jeder für sich definiert. Ich möchte diese Dinge nicht schönreden, denn es ist aktuell leider so, dass zwar viele Unternehmen sich auf die Fahne schreiben, dass sie ein „familienfreundlicher Arbeitgeber“ sind und sich mit schönen Auszeichnungen und Zertifikate auf ihren Unternehmensseiten schmücken, doch die Realität sieht anders aus. Gelebt wird es in den wenigsten Fällen – und Mütter haben weiterhin ein schlechtes Gewissen, wenn sie um 14 Uhr ihr Kind abholen oder sich krank melden müssen, weil das Kind über Nacht Fieber bekommen hat.

Als mein Sohn knapp zwei Jahre alt war, habe ich das Angebot bekommen, als Personalleiterin bei einem tollen Arbeitgeber zu arbeiten, mit dem ich mich absolut identifizieren konnte. Die Voraussetzung war, in Vollzeit diesen Job auszuführen und ich hatte keine Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten. Ich war 40 Stunden in der Woche im Büro. Vielleicht denken jetzt einige „Oh Gott, wie kann sie nur? Das arme Kind! Denkt nur an sich oder die Karriere.“  Ich kann Euch versichern, dass es meinem Kind in dieser Zeit sehr gut ging und unsere Bindung keinen Schaden davon bekommen hat. Er hat sich wunderbar entwickelt und ist ein ganz normaler Junge und fordert mich, wie es jedes andere Kind gegenüber seiner Mutter auch tut.

Ehrlich gesagt, es war eine der schönsten Zeiten in meinem bisherigen Berufsleben und meine persönliche und berufliche Entwicklungskurve ging sehr stark nach oben. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie war größtenteils kein Problem für mich und hat mich auch nicht gestresst, wie es danach in Teilzeit teilweise für mich war. Ich war glücklich mit meiner Situation, so wie viele andere es sich wünschen. Aber warum war das so?

Wie schaffe ich ideale Bedingungen für die Zufriedenheit von Beruf und Familie?

Nun ja, an erster Stelle beginnen meiner Meinung nach die Vereinbarkeit und das damit verbundene Glücklichsein bei einem Selbst und so war es auch bei mir. Ich habe mir folgende Fragen gestellt:

Wann bin ich glücklich im Job und was brauche ich dafür?

Wann ist mein Kind glücklich und was braucht es dafür?

Ich persönlich bin glücklich im Job, wenn ich mit Menschen zusammenarbeiten kann, die Spaß untereinander  haben und denen ich vertrauen kann. Wo ich meine Ideen einbringen kann, worüber sonst noch niemand nachgedacht hat und man darüber offen diskutieren kann. Ich brauche eine Arbeitskultur um mich herum, wo Kollegen und Führungskräfte an Lösungen interessiert sind und sich nicht Ewigkeiten an Problemen aufhalten. Das Gefühl, dass was vorwärts geht. Stillstand ist für mich absolute Langeweile und macht mich unzufrieden.

Damit sich das für mich erfüllt, brauche ich Arbeitgeber, die das teilweise oder schon ganz erfüllen oder ich zumindest das Gefühl habe, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden und sich bemühen. Offen gegenüber Veränderungen sind.

Diese Bedingungen hatte ich bei dem Unternehmen, so dass ich hier positiv gestimmt war, voller Vorfreude und innerlich den grünen Haken setzen konnte.

Liebevolle Betreuung und wertvolle Familienzeit als Rahmenbedingung

Natürlich sollte es meinem Sohn in der Zeit gutgehen und er sollte glücklich sein. Gemeinsam mit meinem Mann sind wir uns einig gewesen, dass er ein Umfeld mit der richtigen und liebevollen Betreuung und wertvolle Familienzeit haben sollte. Wir hatten das Glück, dass wir eine ganz wunderbare Krippe in der Nähe von dem Arbeitgeber meines Mannes hatten. Unser Sohn hat sich sehr wohl gefühlt und wir konnten ihn mit einem guten Gewissen auch in der Betreuung lassen. Die Zeit, die uns den Rest des Tages zur Verfügung stand, egal ob in der Früh oder am Abend, haben wir  dann auch intensiv für uns  genutzt.  Unserem Sohn ging es gut und wir hatten nie das Gefühl, dass er nicht glücklich war. Und ich in dem Fall auch kein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Kind hatte.

Alle Beteiligten waren zufrieden und das war und ist für mich und meine Familie das, was zählt.

Natürlich will ich dir damit nicht sagen, dass mein Lebensmodell, das ideale Modell auch für dich ist und alle Mütter jetzt in Vollzeit arbeiten sollen, um weniger Stress zu haben. Allerdings möchte ich dir damit aufzeigen, dass Zufriedenheit, Glück und damit auch eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich ist.

Finde Deine eigene Zufriedenheit bei dir selbst und nicht bei anderen

Wenn Du bei dir selbst anfängst und dir die Frage stellst, was für dich dein Beruf und ein glückliches Familienleben bedeutet und was Du dafür brauchst? Wenn dabei rauskommt, dass Du glücklich bist, wenn Du 20h/ Woche arbeiten kannst und die Nachmittage mit deinen Kindern verbringen möchtest, Du dadurch weniger gestresst bist und alle dadurch zufriedener sind, dann ist das wunderbar. Wenn Du weitere Unterstützung von anderen Beteiligten brauchst, dann gehe proaktiv auf sie zu und bring deine Ideen zu möglichen Lösungen bei. Egal ob es der Partner, der Arbeitgeber, die Familie, das Kind, die Erzieherin, die Freundin etc. ist. Wir leben in einem System mit anderen Beteiligten und jeder spielt eine wichtige Rolle in unserem Leben. Wenn zum Beispiel für deine Situation herauskommt, dass Dein Partner dich unterstützen könnte, damit Du weniger gestresst bist, dann überlege, wie er dich unterstützen kann. Mit konkreten Ideen. Genauso kann es bei deinem Arbeitgeber, deinem Kind oder wer auch immer in deinem Leben wichtige Beteiligte sind, aussehen. Benenne Deinen Wunsch nach Unterstützung konkret. Aussagen wie „ Ich brauche deine Unterstützung oder es wird mir alles zuviel“ sind nicht konkret.

Was brauchst Du konkret, um zufrieden zu sein?

Wir Mütter haben die Fähigkeit bekommen, flexibel zu sein und Dinge kreativ zu gestalten. Nutze diese Fähigkeit und überlege Dir, was Du für dich ändern kannst, damit die Vereinbarkeit auch bei dir möglich ist und Du dadurch zufriedener bist.

Ganzheitliche Lösungen für „echte Familienfreundlichkeit“

Wir brauchen natürlich weiterhin ganzheitliche Lösungen, damit die Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort noch flexibler werden, damit Mütter nach ihrer Elternzeit weiterhin verantwortungsvollen Positionen im Job nachgehen können und wir brauchen Führungskräfte, die das unterstützen und leben. Damit wir auch wirklich „familienfreundliche Arbeitgeber“ in unserer Gesellschaft haben und nicht nur irgendwelche gekauften Auszeichnungen auf der Unternehmenswebsite. Genauso brauchen wir Kindertageseinrichtungen, wo wir unsere Kinder in liebevoller Betreuung geben können und sie mit Freude dort hingehen.

Aber an allererster Stelle müssen wir immer bei uns selber anfangen.

Ich habe lange Zeit auch mit diesen Herausforderungen gekämpft, die Verantwortung von mir geschoben und bei anderen gesucht.

Teilweise gibt es Tage, wo es immer noch so ist. Wo der Kunde irgendwelche Abstimmungstermine oder Telefonate am Nachmittag um 17 Uhr vereinbart und ich ihm dann die Schuld gebe, dass die Kinder nicht pünktlich abgeholt werden können.

Doch ich habe im Großen und Ganzen nun einen Weg für mich gefunden, mit dem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie funktioniert und ich kann dich nur dazu ermutigen, dass auch Du dich auf diesen Weg machst und Deinen persönlichen Weg für dich findest.

Wenn Du bereits für dich deinen Weg gefunden hast oder aber auch noch suchst, lass uns gerne an deinen Erfahrungen teilhaben und tausche Dich auch mit anderen Müttern in unserer MAMIHELDEN Community aus.  Was brauchst Du für dich um mehr Zufriedenheit in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu bekommen?

Ich freue mich auf Deine Antworten!

Deine Sabrina

 

 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Sport machen trotz Kind und Job? Geht das? – Interview mit Sari Rogge, Personal Trainer
25. Juli 2017
Arbeiten im Home-Office! Aber wie überzeuge ich meinen Chef?
15. Juni 2017
Der Wunsch nach beruflicher Veränderung – Teil 1 „Meine Reise beginnt!“
4. Juni 2017