„Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit“- Berufliche Neuorientierung als Schritt in die Selbständigkeit

Heute erzählt uns Vera in der Serie  „Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit“ wie sie die Zeit genutzt hat, sich während der Elternzeit beruflich neu zu orientieren und neben ihrem anspruchsvollen Job ihre Selbständigkeit aufzubauen. Was zu Anfang ein großer Spagat für sie war, zahlt sich heute für sie umso mehr aus.

 

Was war deine Position und Aufgabe vor Deiner Elternzeit?

Ich war vor meiner Elternzeit im öffentlichen Dienst tätig und zwar genauer gesagt im Schuldienst und dort als pädagogische Angestellte. Von Berufswegen her bin ich Dipl. Politologin, habe aber immer im Bildungsbereich mit sozial auffälligen Jugendlichen gearbeitet – also mehr so klassisch Sozialpädagogik. Wie in der Branche üblich hatte ich einen befristeten Vertrag, der zum Ende der Schwangerschaft hin ausgelaufen ist.

 

Wie lange hat Deine Elternzeit gedauert?

Meine Elternzeit hat 15 Monate gedauert, bedingt durch die Tatsache, dass mein Sohn im Mai geboren ist und die Krippenplätze hier generell zum August vergeben werden.

 

Wie ist Dein Wiedereinstieg aus der Elternzeit verlaufen?

Wir sind während der Elternzeit von Bremen nach Lübeck in Schleswig Holstein gezogen, weshalb ich mich leider erst einmal arbeitssuchend melden musste und quasi bei Null anfangen durfte, was den beruflichen Wiedereinstieg anbelangt hat. Das hängt hier mit den formalen Bestimmungen für den öffentlichen Dienst zusammen und in Bremen sind eben diese entspannter. Ich habe mich daher bereits während der Schwangerschaft mit möglichen Arbeitgebern beschäftigt und mich dann bei ein paar von denen beworben. Letzten Endes bekam ich eine Zusage von einem Bildungsträger und habe ein Projekt bekommen, in welchem ich mich erneut um Jugendliche gekümmert habe, im Sinne der beruflichen Wiedereingliederung. Ich habe in dieser Zeit 23h/ Woche gearbeitet. In diesem Projekt gab es zwei männliche Kollegen, die exakt den gleichen Aufgabenbereich hatten, exakt die gleiche Gruppenstärke und das Ganze in Vollzeittätigkeit. Sie hatten viel Pause und ich wenig Zeit… insgesamt eher unbefriedigend…

Zeitgleich habe ich selbstständig gearbeitet und zwar habe ich während der Elternzeit begonnen, gemeinsam mit einer Freundin Märkte im Bereich Secondhand/Handmade /Regionales zu veranstalten. Dies hatte den einfachen Grund, dass mir Nachhaltigkeit wichtig ist und ich überzeugter Vintage – sowie 2ndHand Fan bin und in Lübeck erfolglos danach gesucht habe. Diese Märkte veranstalten wir 4x im Jahr, vormittags Zwergenkram  für Kinder und abends Deernskram für Frauen. In beiden Fällen sind wir sehr zufrieden und die Kurve geht steil nach oben.

Beide Jobs gemeinsam waren stundentechnisch doch recht anspruchsvoll, da ich von 8-13Uhr im Bildungsbereich gearbeitet, um 13.30Uhr meinen Sohn aus der Krippe geholt und ab 20Uhr den PC hochgefahren habe, um die Märkte erfolgreich vorzubereiten. Entgegen der landläufigen Meinung ist es doch ein wenig anspruchsvoller als vermutet J ….

Des Weiteren war ich aufgrund privater Umstände gezwungen ständig nach Bremen zu fahren und mich um meine Eltern zu kümmern. Teilweise 2x die Woche. Diese Tatsache kam bei meinem Arbeitgeber nicht besonders gut an und ich war zunehmend erschöpfter. Im Frühsommer 2015 habe ich dann entschieden, dass ich nicht mehr beides machen kann und habe daher den Job bei meinem Arbeitgeber gekündigt.

 

Bist Du noch bei Deinem gleichen Arbeitgeber? Was sind Deine Aufgaben heute?

2014 bin ich mit der Selbständigkeit gestartet, vorerst neben dem Job und seit Mai 2015 komplett und sehr zufrieden damit. Gemeinsam mit meiner Freundin und Geschäftspartnerin Lisa veranstalte, plane und führe ich eben die Märkte durch, von denen ich im vorherigen Punkt gesprochen habe. Dieses Jahr expandieren wir nach Kiel und vergrößern uns verstärkt in Lübeck. Es ist alles sehr aufregend und spannend. Ich bin maßgeblich für Marketing und Organisation zuständig. Planen und organisieren, das habe ich ebenfalls vorher getan, Marketing ist ein gänzlich neuer Bereich und überhaupt kenne ich die Veranstaltungsbranche eigentlich eher von Besucherseite aber wir haben viel gelernt und entwickeln uns stetig weiter. Des Weiteren schreibe ich einen kleinen Blog – www.wannarbeitestdueigentlichwieder.wordpress.com. Ich habe ihn angefangen, weil ich nach meinem Ausstieg aus dem Angestelltendasein ständig gefragt worden bin wann ich denn eigentlich wieder arbeiten wollen würde. Mittlerweile veröffentliche ich wöchentlich 2x Artikel zum Thema „Kind &Beruf“ und es kommen immer mehr Leserinnen hinzu.

 

Wieviel Stunden arbeitest Du heute und kannst Du Deinen Job mit Deiner Familie gut vereinbaren?

Ich arbeite inzwischen, ich mags kaum sagen: 3 Stunden und na ja, an Veranstaltungstagen 18h am Tag. Es ist so, dieses Jahr haben wir 6 Veranstaltungen, d.h., die Woche davor und die beiden Wochen danach ca. 25h. Im Schnitt arbeite ich pro Woche ca. 12-18h, mehr ist es nicht. Das Schöne ist, ich hetze nicht mehr zur Krippe sondern habe Zuhause alles fertig, eingekauft und komme entspannt dort an. Nachmittage gehören ausschließlich meinem Sohn, außer er ist mit Papa unterwegs, dann nutze ich die Zeit – eben noch schnell Emails beantworten, Werbekampagne planen, Blogeinträge schreiben. Aber egal ob das Kind krank ist oder etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt, ich kann mich darum kümmern und bin überhaupt nicht gestresst – ein wunderbares Gefühl.

 

Wie schaffst Du den Spagat zwischen Job und Familie?

Spielend und mit Unterstützung meiner Familie. Mein Mann, meine Schwiegermutter, meine Schwägerin – sie alle springen ein, wenn es notwendig ist. An Veranstaltungswochenenden geht mein Sohn zu Oma & Opa und mein Mann hilft vor Ort mit.

 

Was kannst Du anderen Müttern als Tipp mitgeben, wenn sie den Ein- oder Wiedereinstieg in den Job antreten?

Ganz wichtig, selber den Zeitpunkt bestimmen und sich nicht vom Umfeld beeinflussen lassen. Und folge Deinen Träumen… Nutze die Elternzeit, um Dich ggf. neu zu orientieren – aus meiner Sicht kann ich nur sagen, es macht glücklich!

Liebe Vera,vielen Dank für Deine Offenheit und Deine Erfahrungen und weiterhin viel Erfolg mit Deiner Selbständigkeit als Mompreneur 😉

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