Liebe Arbeitgeber: Denkt an Eure Mitarbeiterin in Elternzeit!

Überall wird davon gesprochen, vor welchen Herausforderungen Arbeitgeber in der Arbeitswelt stehen: Sie müssen aktiv werden, neue Wege gehen und flexibler werden. Sei es, um neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen oder familienfreundliche Maßnahmen und arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeitmodelle zu integrieren.

Eine wichtige Lebensphase: die Elternzeit

Doch was bringen all diese Maßnahmen langfristig, wenn dabei eine wichtige Lebensphase von Mitarbeitern kaum Beachtung geschenkt wird? Warum ist die Elternzeit und der Wiedereinstieg immer noch so eine große Herausforderung für Arbeitgeber und die Mitarbeiter?

Bei Bekanntgabe der Schwangerschaft werden fast ausschließlich nur allgemeine Informationsbroschüren des Bundesministeriums zu Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld den Mitarbeiterinnen von den Personalabteilungen ausgehändigt – und in einigen Fällen noch nicht einmal diese. Individuelle Beratung und Betreuung gibt es in den wenigsten Unternehmen. Die Mitarbeiterin verabschiedet sich in die Elternzeit und das ist der Zeitpunkt, wo schon oft die Bindung zueinander verloren geht. Man hat nochmal Kontakt für den Elternzeitantrag und in den meisten Fällen erst wieder kurz bevor der Wiedereinstieg ansteht. Das sind im Durchschnitt 8 Monate, in der keine Kommunikation zwischen dem Arbeitgeber und der Mitarbeiterin stattfindet. In dieser Zeit wird nicht darüber informiert, welche Arbeitszeitmodelle es nach der Elternzeit geben kann und welche sich das Unternehmen vorstellen könnte. Wie die Mitarbeiterin weiterhin ihr Wissen aufrecht erhalt kann. Wie die Betreuung der Kinder gewährleistet ist. Was aktuell im Unternehmen oder der Abteilung passiert.

 

Die Mitarbeiterbindung geht oft in der Elternzeit verloren

Wie kann das sein? Es wird im Vorfeld Zeit und Geld investiert, um neue Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen. Es werden Strategien entwickelt, um sich als TOP Arbeitgeber zu positionieren und sich möglichweise auch noch als familienfreundlich darzustellen. Aber was ist tatsächlich familienfreundlich?
Es entsteht der Eindruck, dass bewusst die Augen zu dem Thema verschlossen werden. Man schiebt das Problem mit der Mitarbeiterin – die ja nach ihrer Elternzeit wieder zurück möchte in ihren Job – nach hinten und glaubt vielleicht, dass sich es von alleine löst. In dem die Mitarbeiterin eventuell wieder schwanger wird oder vielleicht den Arbeitgeber in der Zeit wechselt. Oft ist es natürlich nicht so und dann steht man tatsächlich vor der Herausforderung. Die Mitarbeiterin ist unzufrieden, dass der Arbeitgeber sich so unflexibel und wenig wertschätzend zeigt beim Wiedereinstieg – und andersrum genauso. Der Arbeitgeber ist verärgert, dass die Mitarbeiterin ausschließlich mit unrealistischen Forderungen zum Arbeitsplatz und Arbeitszeitgestaltung kommt.

 

Eine Strategie für die Elternzeit

Was würde passieren, wenn Arbeitgeber bereits im Vorfeld eine Strategie haben für die Elternzeit? Ein Elternzeitprogramm, um die Mitarbeiter langfristig ans Unternehmen zu binden und auch neue Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Mehr als die gesetzlichen Elternzeitregelungen und die allgemeinen Informationsbroschüren gibt es kaum bei den Unternehmen. Einige Arbeitgeber versuchen ähnliche Modelle wie in den USA zu finden, wo sie den Mitarbeitern mehr bezahlte Elternzeit zur Verfügung stellen. Wieder eine Maßnahme, um sich als familienfreundlicher Arbeitgeber darzustellen. Aber löst mehr Geld tatsächlich das Problem? Ist eine länger bezahlte Elternzeit die Lösung, wenn trotzdem kaum Kommunikation und Betreuung während der Elternzeit stattfindet? Sicherlich sind das erste richtige Schritte in die Richtung. Wer sich aber als familienfreundlicher Arbeitgeber positionieren möchte, muss schon vorher Aktivitäten unternehmen, um dies unter Beweis zu stellen. Die Probleme und Herausforderungen angehen.

 

Wie attraktiv wären Arbeitgeber mit einem individuellen Elternzeitprogramm?

Mitarbeiter sind die einzigen Ressourcen im Unternehmen, die an Wert gewinnen und nicht abnehmen. Leider gibt es noch wenige positive Beispiele von Arbeitgebern, die es bereits erkannt haben und hier ein strategisches Elternzeitprogramm entwickelt haben, um Mitarbeiter in dieser besonderen Lebensphase zu begleiten.
Angenommen die Elternzeit würde in der Personalarbeit als ein wichtiger Bestandteil in den strategischen Prozessen mitaufgenommen werden? Wie würden Arbeitgeber anschließend neue Mitarbeiter für sich gewinnen und auch ans Unternehmen binden?  Wie attraktiv wären Arbeitgeber für Bewerber, die sich auch in der Elternzeit mit einem innovativen Konzept um ihre Mitarbeiter kümmern?

Liebe Arbeitgeber, ihr habt die große Chance euch von euren Mitbewerbern abzuheben. Beispielsweise mit einem genannten Elternzeitprogramm und einer individuellen Mitarbeiterbetreuung in der Elternzeit, um ganzheitlich ihre Herausforderungen im Recruiting und  Employer Branding anzugehen.

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