Wiedereinstieg

Eine reisende Journalistin erfindet sich neu

Heute erzählt uns Nathalie vom Blog Eine ganz normale Mama in unserer Serie „Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit“ von ihrer Rückkehr an den Schreibtisch. Früher ist Nathalie als Journalistin um die ganze Welt gereist und hat für verschiedene Auftraggeber Reportagen über ferne Länder geschrieben. Und obwohl sie vor ihrer Elternzeit felsenfest überzeugt war, dass sie in ihren alten Job zurückkehren würde, musste sie sich eingestehen, dass sich das Reisen nicht mit ihrer Familie vereinbaren lässt. Ein neues Arbeitsmodell musste her. Heute ist Nathalie erfolgreiche Bloggerin, Journalistin und Buchautorin.

 

Was war deine Position und Aufgabe vor deiner Elternzeit?

Ich war schon vor der ersten Elternzeit 5 Jahre lang als freie Journalistin tätig. Ich reiste vor der Geburt meines Großen mehrmals im Jahr durch die Welt, um für Reportagen über Frauen und Mädchenrechte zu recherchieren. Das waren meist Entwicklungsländer, aber zum Beispiel ging es auch mal in den Oman. Meine Kunden waren Frauenzeitschriften, Spiegel Online, die Mädchen, aber auch Wochenendseiten großer Tageszeitungen.

 

Hast du nach deiner Elternzeit beim gleichen Arbeitgeber wieder begonnen? Wie war für dich der berufliche Wiedereinstieg?

Während der Elternzeit schrieb ich weiter für meine Kunden (Frauenzeitschriften und Kinderzeitschriften). Schon während der Elternzeit plante ich die nächste Reise und es war klar, dass es für 10 Tage nach Peru gehen sollte, als mein Sohn 14 Monate alt war und mein Mann die zwei Vätermonate hatte. Die Reise fiel mir schwerer als vorher gedacht – hätte ich sie nicht schon so früh geplant, hätte ich wohl gekniffen! Die Trennung von meinem Sohn – und dann auch noch quer über den Ozean war ganz schön hart. Das zeigte mir, dass ich auf jeden Fall nicht mehr so oft im Jahr unterwegs sein konnte. Da ich aber auch wusste, dass ich nur noch halbtags arbeiten wollte, war das erst mal okay. Kurz vor seinem zweiten Geburtstag und der Schwangerschaft mit meinem zweiten Sohn war ich noch einmal in Tansania für eine Recherche. Es war wieder nicht ganz einfach – obwohl die Reisen toll waren und ich in die Arbeit abtauchte. Die Zeit VOR der Reise war die Hölle. Dann wurde ich wieder schwanger und wusste während der Elternzeit: Mit zwei Kindern wird es nicht einfacher. Also wollte ich mich umorientieren und begann mir längere Projekte zu suchen. Das eine waren die beiden Bücher. Das andere war mein Blog Eine ganz normale Mama, den ich erst als Hobby begann, um in der Elternzeit im Schreiben zu bleiben, aber schon da im Hinterkopf hatte, ihn als beruflliches Standbein auszubauen.

 

Du hast in deiner zweiten Elternzeit zwei Bücher geschrieben. Kannst du uns sagen, wann und wie du das geschafft hast?

Das frage ich mich heute auch! Ich hatte die Aufträge naiv in der Schwangerschaft angenommen. Ich dachte, die zweite Elternzeit wäre so entspannt wie die erste. Nun – falsch gedacht. Denn erstens war mein Kleiner nicht so ein guter Schläfer wie der Große. Er schlief tagsüber einfach viel weniger. Diese Zeit zum Arbeiten fiel also weg. Und an den Nachmittagen war ja der Große da und wollte natürlich eine große Portion Mama. Es war also sehr stressig. Ich habe mich immer, sobald der Kleine schlief an den PC gestürzt und wie eine Blöde getippt. Und abends, wenn die Kinder im Bett lagen auch. Und an den Wochenenden, wenn mein Mann nicht grad ein Veto einlegte, weil wir natürlich auch als Familie etwas machen wollten. Meine Mutter hat mir auch viel abgenommen, aber ich wollte ja auch die Babyzeit erleben – ich war also eigentlich sehr viel im Stress und immer im emotionalem Zwiespalt.

 

Was machst du heute beruflich?

Eigentlich wollte ich schon lange wieder gereist sein! Aber bisher habe ich es erst emotional nicht auf die Reihe bekommen und als dann die Chance zu einer Reise nach Vietnam bestand, wollte keiner meiner Kunden die Reportagen kaufen, also habe ich die Reise absagen müssen. Früher bin ich auch ohne feste Zusage einer Abnahme losgeflogen, das mache ich heute nicht mehr. Klar kommt immer eine Geschichte herum, aber mit zwei Kindern, dem Organisieren usw. – das geht nicht mehr. Also schreibe ich mehr über Familienthemen, mehr Sachen, die ich hier recherchieren kann. Wenn Entwicklungshelfer hierzulande zu Besuch sind, sehe ich zu, dass ich sie interviewen kann, um so in der Materie zu bleiben und immer noch Geschichten mit dem Bezug an meine Kunden zu verkaufen. Neben der journalistischen Arbeit habe ich nun meinen Blog als zweites berufliches Standbein ausgebaut und verdiene damit gut die Hälfte meines Umsatzes. Das hätte ich auch nie gedacht! Diese Mischung gefällt mir sehr gut! Im Dezember habe ich dann mein viertes Buch abgegeben, ein Erziehungsratgeber, eventuell wird es demnächst noch ein weiteres Buch geben. Ich mag diese langfristigeren Projekte, sie lassen sich sehr gut mit Kindern vereinbaren!

 

Wie viele Stunden arbeitest du durchschnittlich in der Woche? Und lässt sich deine Tätigkeit gut mit der Familie vereinbaren?

Ich arbeite um die 25 Stunden in der Woche, manchmal noch abends am Blog. Das lässt sich sehr gut vereinbaren! Klar, wenn die Kinder mal wieder kurzfristig krank sind, wirft das auch bei mir den Terminplan völlig über den Haufen. Obwohl ich für meine Artikel oft einen Monat Zeit habe, wird es dann doch immer irgendwie stressig, wenn alles zusammenfällt. Und im Sommer, wenn der Kindergarten 3 Wochen zu hat und demnächst 6 Wochen Sommerferien sind, ist das immer ein Einkommensausfall, den ich vorher aber einkalkuliere. Aber alles in allem ist es perfekt, so wie es ist. Denn ich habe keinen Chef, dem gegenüber ich mich rechtfertigen muss. Ich teile meine Zeit frei ein und wenn die Kinder krank sind, kann ich ja trotzdem ein bisschen arbeiten. Zur Not gibt es halt Sendung mit der Maus auf YouTube, wenn ich mich wirklich auf einen Text oder ein Telefoninterview konzentrieren muss. Das darf dann auch mal sein! Ich finde es so perfekt, weil ich die Nachmittage frei habe und die Zeit mit meinen Kindern richtig genießen kann. Egal wie stressig der Vormittag war, am Nachmittag bleibt das Handy meist aus und ich tauche ab in die Mamawelt.

 

Wie bewältigst du den Spagat zwischen Job und Familie?

Eigentlich ganz gut. Aber, wenn ich mal wieder furchtbar viel zu tun habe und die Kinder eine halbe Stunde später als sonst vom Kindergarten abhole, dann ist da schon dieses schlechte Gewissen. Aber andererseits weiß ich auch, dass sie sich dort wohlfühlen und es ihnen mehr bringt, dort mit ihren Freunden zu spielen als von einer total gestressten Mutter abgeholt zu werden, die in Gedanken bei der Arbeit ist und nur darauf wartet, dass sie ins Bett gehen, um dann weiterzuarbeiten. Dann arbeite ich lieber etwas länger und bin am Nachmittag entspannter.

 

Und zum Schluss, welchen wertvollen Tipp kannst du Müttern mit auf den Weg geben, die sich gerade in Elternzeit befinden und den beruflichen Wiedereinstieg planen?

Erstens: Sich vorher genau überlegen, wie lange man arbeiten will, wie man das regeln will und wie lange die Kinder in der Betreuung bleiben sollen.
Zweitens: Darauf gefasst sein, dass man, wenn es soweit ist, alles vielleicht wieder umwirft. So wie bei mir mit dem Reisen. Ich wollte es unbedingt. Und war dann überwältigt von meinen Gefühlen. Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so schwerfällt, ohne meine Kinder zu sein. Vor allem, da mir die Reisen immer so viel bedeutet haben. Aber da muss man dann auch seine eigenen Gefühle akzeptieren und eine passende Lösung suchen. Es gibt nie DIE perfekte Lösung für alles. Jeder hat ein anderes Lebensmodell und man muss sich seinen Weg suchen. Dazu gehört auch, dass man mal in eine Sackgasse rennt und dann einfach umdreht und eine andere Abzweigung nimmt. Und ganz wichtig finde ich ein Ritual zwischen dem Feierabend und dem Abholen der Kinder, um die Berufswelt und die Mamawelt voneinander zu trennen und runterzukommen. Bei mir ist es der Feierabendkaffee, den ich um halb drei trinke, bevor ich die Kinder abhole. Dazu gibt es eine kleine süße Sache, ich gucke aus dem Fenster, atme durch und mache den PC aus.
Vielen Dank Nathalie für deine spannende Geschichte. Das MAMIHELDEN-Team wünscht dir weiterhin viel Erfolg.

Fotocredit: Nathalie Klüver

Der Mythos Fachkräftemangel: Warum ich das als qualifizierte Mutter nicht glauben kann

Liebe Arbeitgeber, haben wir tatsächlich einen Fachkräftemangel in Deutschland? Überall liest man, dass es Unternehmen schwer haben, qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen. Ist es wirklich so? Irgendwie fällt es mir schwer, das zu glauben.

Ich bin 39, habe zwei Kinder und befinde mich momentan noch in Elternzeit. Da die Jobs rar sind und die Zeit zwar noch vorhanden, aber nicht unendlich ist, habe ich mich voller Elan auf Jobsuche begeben. Zu meinem alten Arbeitgeber kann ich auf Grund unseres Umzugs nicht mehr – schade, denn dort stand Teilzeit an der Tagesordnung. Und es hat wunderbar funktioniert. Ich bin von Hamburg nach München gezogen und habe dort in Vollzeit als Marketing Referentin bei einem großen bekannten Unternehmen begonnen und nach der Geburt meiner Kinder auf Teilzeit heruntergeschraubt. Meinen Job konnte ich dennoch ohne merkbare Einschnitte weitermachen. Mein Team hat meine verkürzte Arbeitszeit nicht belastet. Nur mich hat es manchmal belastet, pünktlich Schluss zu machen, aber damit musste ich selbst lernen, zurechtzukommen.

Mehr Flexibilität mit ElterngeldPlus

Viele Mütter (und Väter) wünschen sich in ihrem Berufsleben mehr Flexibilität, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Werden Gedanken an die Karriere kurz vor der Geburt noch ausgeblendet, sehnen sich manche Mütter nach einigen Monaten in Krabbelgruppen an ihren Arbeitsplatz zurück und haben Befürchtungen, den Anschluss zu verpassen. Auf der anderen Seite möchten sie durch den Staat nicht benachteiligt werden und auch ihren Kindern weiterhin genügend Aufmerksamkeit widmen. Das ElterngeldPlus verspricht dabei Erleichterungerungen. Mamihelden gibt einen Überblick über die wichtigsten Eckpunkte:

 

Für wen gilt das ElterngeldPlus?

Für Eltern, deren Kinder nach dem 1. Juli 2015 geboren wurden. Der Anspruch besteht für Angestellte, Beamte, Selbständige, Erwerbslose sowie Studenten und Auszubildende, die ihre Kinder in Deutschland im eigenen Haushalt selbst betreuen und weniger als 30 Stunden in der Woche arbeiten.

 

Wie sieht die Umsetzung genau aus?

Eltern, die in Teilzeit währen des Bezugs von Elterngeld arbeiten, bekommen nun doppelt so lange das ElterngeldPlus. Mit dem ElterngeldPlus kann daher der Bezugszeitraum für das Elterngeld auf 28 Monate verlängert werden. Aus einem bisherigen Elterngeldmonat werden dann zwei ElterngeldPlus-Monate. Die monatliche Bezugshöhe halbiert sich somit.

 

Wie können mein Partner und ich das ElterngeldPlus kombinieren?

Es gibt sogenannte Partnerschaftsbonusmonate. Dafür müssen beide Eltern gleichzeitig mindestens vier Monate lang zwischen 25 und 30 Stunden pro Woche arbeiten und eine entsprechende Bescheinigung des Arbeitgebers vorlegen. Somit können zusätzlich vier Monate ElterngeldPlus erlangt werden.

 

Und wie funktioniert es, wenn ich alleinerziehend bin?

Auch Alleinerziehende können diese vier zusätzlichen Bonusmonate beantragen, sofern sie an vier aufeinander folgenden Monaten pro Woche zwischen 25 und 30 Stunden arbeiten.

 

Gibt es auch Anpassungen hinsichtlich der zeitlichen Flexibilität?

Ja, diese gibt es. Weiterhin kann jeder Elternteil 36 Monate Elternzeit bis zum dritten Geburtstag des Kindes in Anspruch nehmen. Die Sieben-Wochen-Frist bleibt zur Inanspruchnahme der Elternzeit vor dem dritten Geburtstag des Kindes bestehen. Es können dann aber nun 24 Monate statt bisher 12 Monate zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes weiterhin in Anspruch genommen werden. Die Anmeldefrist für die Elternzeit in diesem Zeitraum wird auf 13 Wochen erhöht. Außerdem kann die Elternzeit in drei statt bisher in zwei Zeitabschnitte pro Elternteil eingeteilt werden.

 

Wie verhandele ich dies mit meinem Arbeitgeber?

Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist nicht (mehr) erforderlich. Der Arbeitgeber ist allerdings berechtigt, den dritten Abschnitt aus dringenden betrieblichen Gründen abzulehnen, falls dieser zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes liegt. Zu beachten ist auch, dass bei einem Arbeitgeberwechsel der neue Arbeitgeber die Elternzeit für den dritten Block genehmigen muss.

 

Was geschieht, wenn während der Elternzeit sich erneut Nachwuchs ankündigt?

Der Anspruch auf Elternzeit besteht weiterhin für jedes Kind, auch wenn während der Elternzeit ein weiteres Kind auf die Welt kommt.

 

Was ist ansonsten noch wichtig zu wissen?

Das Elterngeld bleibt weiterhin steuerfrei. Es wird bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens berücksichtigt und unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Elterngeld stellt kein Erwerbseinkommen dar, Beiträge für Sozialversicherungen fallen nicht an. Ausnahmen gelten für privat Versicherte und freiwillig gesetzlich Versicherte.

 

Sobald die Elternzeiterklärung beim Arbeitgeber eingegangen ist, besteht Kündigungsschutz bis zum Ende der Elternzeit. In besonderen Ausnahmefällen kann die zuständige Behörde auf Antrag des Arbeitgebers die Kündigung für zulässig erklären. Die Laufzeit eines befristeten Vertrages ändert sich nicht durch die Inanspruchnahme der Elternzeit.

 

Zusammenfassung

 

ElterngeldPlus für Eltern, deren Kind(er) nach dem 01.07.2015 geboren wurden und werden

Bezugszeitraum bis zu 28 Monate

Partnerschaftsbonusmonate: Gemeinsam weitere vier Monate ElterngeldPlus

Elternzeit in drei Abschnitte einteilbar

24 Monate Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes möglich

 

 

Weitere Fragen als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer? Mamihelden ist Dein Partner für Elternzeit & Wiedereinstieg.

„Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit“ – Der Wunsch nach einem „echten“ Teilzeitjob für mehr Zufriedenheit

Heute erzählt uns Jenny in der Serie  „Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit wie sie nach 9 Wochen wieder zurück in ihren Job ist. Mit Teilzeitarbeit während der Elternzeit hat alles gut funktioniert und ihr Arbeitgeber war sehr offen für dieses Modell. Doch nach der Elternzeit wurde ihr eigentlicher Teilzeitjob ohne Planung und Absprachen schnell wieder zum Vollzeitjob.

 

Was war deine Position und Aufgabe vor Deiner Elternzeit?

Ich war Marketingleitung in Vollzeit einer international arbeitenden Baumschule (300 Mitarbeiter).

Dort habe ich mich um Messeauftritte, Katalogdigitalisierung, -erstellung, Homepage und alles, was so anfällt gekümmert.

 

 Wie lange hat Deine Elternzeit gedauert?

Ich habe für ein Jahr Elternzeit beantragt,  bin aber direkt nach dem Mutterschutz im Dezember 2014/ Januar 2015 zum Februar 2015 wieder für 16 Stunden/ Woche eingestiegen bis zum November 2015. Während der Elternzeit wurden ein Teil meiner Aufgaben an andere Personen und Abteilungen innerhalb des Unternehmens verteilt.

Als das Ende meiner Elternzeit anstand,  habe ich mich dagegen entschieden in Vollzeit zurückzukommen und einen Antrag auf Fortsetzung meiner Teilzeittätigkeit gestellt. Der Antrag wurde im November 2015 bewilligt.

 

Wie ist Dein Wiedereinstieg aus der Elternzeit verlaufen?

Ich war nur 14 Wochen weg und habe mich einfach wieder ins Büro gesetzt und angefangen, alles was liegen geblieben ist aufzuarbeiten. Die Mini war beim Papa in der Zeit. Nach und nach kamen dann aber wieder alle verteilten Aufgaben zurück auf meinen Schreibtisch.  Das war am Anfang ein klasse Gefühl, denn es schien schnell alles so, als wäre ich nie weg gewesen. Nach und nach stellte sich allerdings ein Gefühl der Überforderung ein. Es ist nahezu unmöglich an 16 Stunden das zu schaffen, was in Vollzeit vorher erledigt wurde. Ich fing an Terminen und Abgaben nur noch hinterher zu laufen anstatt sie vernünftig planen zu können. Das machte mich selbst total unzufrieden.

Im Grunde arbeite ich in einem sehr familienfreundlichen Unternehmen. Ich glaube aber, wir haben uns die Sache mit der Elternteilzeit beide (sowohl ich, als auch die Geschäftsführung) einfacher vorgestellt. Konzepte für die Aufteilung der Aufgaben und direkte Planungsgespräche wegen der Reduzierung gab es nicht. Wahrscheinlich sind alle Beteiligten ein wenig naiv an die Sache rangegangen, vielleicht wurde auch die Wichtigkeit der Stelle etwas unterschätzt.

 

Bist Du noch bei Deinem gleichen Arbeitgeber? Was sind Deine Aufgaben heute?

Ich bin noch bei meinem Arbeitgeber und erledige die gleichen Aufgaben. Das Problem ist allerdings, dass ich nicht in der Lage bin, die Aufgaben, die ich vorher in Vollzeit erledigt habe, jetzt in Teilzeit zu machen. Meine Kollegen helfen mir, wo sie nur können.

Eine dauerhafte Lösung ist das allerdings nicht. Sehr oft nehme ich daher die Arbeiten mit nach Hause, die im Arbeitsalltag liegen bleiben und andere werden einfach dauerhaft nach hinten verschoben.

 

Wieviel Stunden arbeitest Du heute und kannst Du Deinen Job mit Deiner Familie gut vereinbaren?

Ich arbeite immer noch die 16 Stunden, im Grunde wären 25 Stunden auch drin. Mehr fänd ich nicht so schön für mich, meine Familie und besonders für die Mini.

 

Wie schaffst Du den Spagat zwischen Job und Familie?

Schaffen? Jain. Ich bin überzeugt davon, dass ich es schaffen würde, wenn ich einen „echten“ Teilzeitjob oder ein abgestecktes Homeoffice hätte. Mein Mann unterstützt mich zu Hause super und ich nutze die freie Zeit mit der Mini sehr intensiv. Gerade bin ich allerdings nicht in der Lage im Job die Qualität zu liefern, die ich gerne liefern würde. Ein Vollzeitjob lässt sich nicht einfach in eine Teilzeitstelle quetschen ohne Verluste. Ich arbeite aber an einer Lösung.

 

Was kannst Du anderen Müttern als Tipp mitgeben, wenn sie den Ein- oder Wiedereinstieg in den Job antreten?

Ein klares Konzept und feste Absprachen mit dem Arbeitgeber für den Wiedereinstieg. Einfach so laufen lassen, hat bei mir – trotz super flexiblem Arbeitgeber und angepasstem Arbeitszeitmodell – nur bedingt funktioniert.

 

Vielen Dank Jenny für Deine persönliche Geschichte und ich wünsche Dir, dass Dein Teilzeitjob sehr bald ein „echter Teilzeitjob“ wird.

 

 

 

5 Tipps für die Elternzeit und einen gelungenen Wiedereinstieg

Für immer mehr Mütter ist es selbstverständlich, berufstätig zu sein und die Aufmerksamkeit für das Thema Wiedereinstieg wird immer größer.

Viele Mütter & Unternehmen haben Herausforderungen wenn der Wiedereinstieg und die Rückkehr in den Job bevor steht. Deshalb suchen sie nach Lösungen zum Wiedereinstieg und um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen.

Die folgenden Tipps können Dir als Mutter dabei helfen, wie Du Dich während Deiner Elternzeit auf einen gelungen Wiedereinstieg vorbereiten kannst.

 

In Kontakt bleiben mit Deinem Arbeitgeber

Auch wenn Du nun zuhause bist und sich zum größten Teil alles nur noch um Dein Kind dreht, ist es auch wichtig, dass Du während Deiner Elternzeit den Kontakt zu Deinem Arbeitgeber nicht verlierst.

Nutze die Möglichkeiten, die Dein Arbeitgeber Dir vielleicht im Vorfeld angeboten hat an möglichen Events wie zum Beispiel Weihnachtsfeiern, Sommerfeste etc. teilzunehmen. Wenn es diese Möglichkeiten nicht gibt, dann gehe selbst in die Verantwortung und besuche Deinen Arbeitgeber und signalisiere ihm, dass es Dir wichtig ist, dass Du den Kontakt während der Elternzeit nicht verlieren möchtest. Falls Du dir unsicher bist  wie oft Du ihn besuchen sollst, dann besprich Dich mit Deinem Vorgesetzten und vereinbart zusammen was gute zeitliche Abstände sind wie z.B. alle drei Monate. Dieser Kontakt und Austausch sind immer wieder gute Gelegenheiten über Deinen Wiedereinstieg zu sprechen.

Die Vorteile für Dich und Deinem Arbeitgeber sind, dass Ihr die emotionale Nähe zueinander nicht verliert und Du signalisierst ihm, dass Dein Job für Dich immer noch wichtig ist und Du weiterhin auf dem Laufenden bleiben möchtest. Du hast die Möglichkeit die Entwicklungen, was sich bei Deinem Arbeitgeber verändert mit zu verfolgen und schaffst damit gute Voraussetzungen für Deine Rückkehr nach der Elternzeit.

 

Arbeitszeit und Aufgaben

Damit der Wiedereinstieg gut gelingen kann, überlege Dir rechtzeitig mit wieviel Stunden und welchen Aufgaben Du wieder an Deinen Arbeitsplatz zurückkehren möchtest und besprich Dich auch hier mit Deinem Arbeitgeber, beziehe ihn mit ein in Deine Planungen.

Viele Mütter sprechen mit ihrem Arbeitgeber erst kurz vor der Rückkehr in den Job welches Arbeitszeitmodell für sie am besten ist und sind dann ganz überrascht und enttäuscht, wenn der Arbeitgeber hier nicht auf die Wünsche eingehen kann. Versetze Dich aber bitte auch in die Lage Deines Arbeitgebers. Möglicherweise hast Du vor Deiner Elternzeit in Vollzeit gearbeitet und hast verantwortungsvolle Aufgaben gehabt. Dein Vorgesetzter hat während Deiner Elternzeit eine Vertretung für Dich eingestellt und die Projekte und Aufgaben konnten dadurch weiterlaufen. Jetzt beantragst Du eventuell  3 Monate bevor Deine Elternzeit ausläuft eine Teilzeittätigkeit von vielleicht 20h/ Woche. Dein Arbeitgeber hat nun die Aufgabe für Dich eine Teilzeitstelle zu schaffen, mit den Aufgaben, die Du vorher auch gemacht hast. Überlege Dir hier, wie Du Deinen Arbeitgeber dabei unterstützen kannst und ihm auch Flexibilität mitbringen kannst.

Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass Du Dir bereits vor Deinem Ausstieg in die Elternzeit Gedanken machst und schon hier mit Deinem Arbeitgeber sprichst  wie Deine Arbeitszeit aussehen kann. Auch welche Aufgaben Du in dieser Arbeitszeit übernehmen kannst. Diese ersten Gespräche über Deine Arbeitszeit und Deine Aufgaben sind die Basis für die darauffolgenden Gespräche und Verhandlungen, wenn Dein Wiedereinstieg ansteht. Dieses schafft Vertrauen und Planungssicherheit für Dich und Deinen Vorgesetzten.

Versuche selbst in die Verantwortung zu gehen und dazu beizutragen, dass Dein Wiedereinstieg nach der Elternzeit gut verläuft. Die meisten Arbeitgeber wissen das zu schätzen, wenn Mütter mit konkreten Vorstellen und möglichen Lösungsvorschlägen das Gespräch suchen.

 

Berufliche Weiterbildung/ -entwicklung

Du solltest Gelegenheiten nutzen, die Dir eventuell Dein Arbeitgeber anbietet um Dein berufliches Fachwissen zu erhalten oder um dieses Fachwissen auch weiterauzubauen. Das können zum Beispiel Seminare und Trainings sein, die für  Deine Kompetenzen und Deinen Job wichtig sind. Auch hier bist Du wieder in Kontakt mit Deinem Arbeitgeber und Du signalisierst ihm, die Wichtigkeit für Dich und Deinen Wiedereinstieg.

Es kann aber auch privat die Chance genutzt werden um komplett was Neues zu lernen, was man vorher schon immer mal machen wollte und einen beruflich interessiert hat und so sein Wissen zusätzlich erweitert. Angenommen Du hast vorher im Marketing gearbeitet, wo Du für Marketingartikel zuständig warst und nebenbei interessierte Dich  aber sehr das Thema Social Media. Dann kannst Du auch hier die Elternzeit dazu nutzen um Dein Wissen in dem Bereich zu erweitern und dadurch vielleicht zusätzliche neue Kompetenzen mitbringen  für Deinen Wiedereinstieg. Der Vorteil  ist, dass Du hier neuen Tätigkeiten für Deine berufliche Zukunft nachgehen könntest, was Dir auch noch mehr Spaß bringt und die Basis für einen möglichen beruflichen Neustart ist.

 

Persönliche Weiterbildung/ -entwicklung

Die Elternzeit ist eine wichtige Zeit für Dich und Dein Kind. Gleichzeitig bedeutet diese Zeit aber auch eine Auszeit vom Job.

Im Job hast Du meistens feste Strukturen, Du bekommst Feedback entweder von Kollegen oder Deinem Vorgesetzten. Du hast anspruchsvolle Aufgaben, die Dich geistig fordern. Du hast Erfolgserlebnisse, wenn Dir etwas besonders gut gelungen ist oder Du ein Projekt erfolgreich abgeschlossen hast.

 

Feste Strukturen

Persönliches Feedback

Anspruchsvolle Aufgaben

Erfolgserlebnisse

 

All diese Dinge tragen zu Deiner persönlichen Entwicklung und Deinem Selbstbewusstsein bei. Während Deiner Elternzeit verändert sich das und es kann passieren, dass Du unsicherer wirst und Dir weniger zutraust in Bezug auf Deinen Job und Deinen Wiedereinstieg. Dieses sind aber grundlegende Eigenschaften, die für Deine weitere Entwicklung im Beruf sehr wichtig sind.

Nutze die Elternzeit um Dir Deinen Stärken weiterhin bewusst zu sein und wie Du diese Stärken nutzen kannst, um beruflich am Ball zu bleiben und die Belastung zukünftig meistern wirst mit Job und Familie. Die beste Möglichkeit bietet Dir dazu ein persönliches Coaching, wo Du für Dich herausfindest was Deine Talente sind. Welche Ziele und Wünsche hast Du? Deckt sich das mit Deinen einstigen Zielen, die Du vielleicht vor Deiner Rolle als Mutter hattest? Was hat sich verändert? Diese persönliche Standortbestimmung hilft Dir sich mit Dir intensiv auseinander zu setzen und Du bekommst dadurch mehr Klarheit und Sicherheit für Deine berufliche Rückkehr.

 

Dauer der Elternzeit

Wie lange Du in Elternzeit bleiben möchtest, entscheidest Du ganz für dich alleine. Hier gibt es keine 100% richtige Lösung.

Jede Mutter sollte aber zu ihrer Entscheidung stehen und sich  hier kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Egal ob Du jetzt nach vier Monaten oder erst nach drei Jahren Deinen Wiedereinstieg planst. Genauso wenig sollten wir Mütter andere Mütter für ihre Entscheidungen verurteilen.

Allerdings solltest Du Dir bewusst sein, je länger du aus dem Job raus bist umso schwieriger wird Dein Wiedereinstieg sein.

Arbeitgeber finden es grundsätzlich gut, wenn Du als Mitarbeiterin wieder früh an Deinen Arbeitsplatz zurückkehrst. Aber viel wichtiger ist es, dass Du von Anfang an mit klaren Vorstellungen über Deinen Wiedereinstieg mit dem Arbeitgeber sprichst und alle Möglichkeiten nutzt um den Kontakt zu halten. Dann kann der Wiedereinstieg auch nach einer längeren Elternzeit gut funktionieren. Um zukünftig im Job wieder ernst genommen zu werden, solltest auch Du als Mutter Dich ernsthaft mit Dir auseinandersetzen und Dir überlegen wie Du nach der Elternzeit wieder gut in den Job einsteigen willst.

 

Mit diesen Tipps möchte ich Euch dazu ermutigen, auch selbst in die Verantwortung zu gehen und Eigeninitiative zu zeigen, damit ein guter Wiedereinstieg nach der Elternzeit gelingen kann.

 

Und wer mich persönlich kennenlernen will  und seine Fragen gerne loswerden möchte zum Gelungen Wiedereinstieg – dem kann ich meinen Impulsvortrag am 13.05.2016 bei elterngarten in München am Kapuzinerplatz  ans Herz legen. Ich freue mich, wenn Ihr dabei seid.