Ich merkte, dass ich aus dieser Zwangsspirale raus muss

Heute erzählt uns Petra in unserer Serie „Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit“, wie es bei ihr verlaufen ist. Petra hatte zuvor mit ihrem Mann eine eigene Online-Agentur. Doch dann kam die Schwangerschaft, Burnout, Depressionen, Trennung, neuer Job und danach der nächste Job … Bis Petra sich eingestand, dass sie die Notbremse ziehen muss. Raus aus dieser Zwangsspirale. Denn wenn du mit deinem Job und Leben unzufrieden bist, musst du etwas ändern. Das ist Petras Meinung. Heute arbeitet sie mit großem Enthusiasmus an einem neuen Projekt. Sie will ein Buch über Elterndepression und –Burnout auf Bali schreiben. Natürlich kommt ihr 5-Jähriger Sohn mit …

 

Hallo liebe Leser von MAMIHELDEN,
ich bin Petra, Anfang der 80er geboren und lebe im Bergischen Land. Ich bin seit 5 Jahren Mutter und seit 3 Jahren getrennt erziehend. Wir führen das klassische Model: Mein Sohn wohnt bei mir, sieht aber regelmäßig den Papa. Ich freue mich, meine Geschichte mit euch zu teilen.

 

Was war deine Position und Aufgabe vor deiner Elternzeit?

Meine Position vor der Elternzeit? Puh! Dazu muss man wissen, dass mein Ex und ich uns selbständig gemacht haben. Wir gründeten gemeinsam eine eigene Online Agentur – er als Entwickler, ich als Marketing Beraterin. Kurz darauf wurde ich schwanger. Ich hatte also als Angestellte in unserer Agentur die Marketing Leitung inne und setzte für unsere Kunden Marketing-Strategien um – mit Baby im Bauch. Das ganze war bzw. ist sehr erfolgreich!

 

Hast du nach deiner Elternzeit beim gleichen Arbeitgeber wieder begonnen? Wie war für dich der berufliche Wiedereinstieg?

Unseren Sohn bekamen wir dann kurz nach dem ersten erfolgreichen Jahr. Ich setzte 2 Monate aus, dann nahm ich ihn mit ins Büro und arbeitete weiter. Nach den ersten Monaten überbrückten wir die Zeit bis zur Kita mit einer Tagesmutter.

Kurzes Off Topic: Ich muss sagen, die Bürogemeinschaft (mit unseren eigenen Räumlichkeiten), in der wir anfänglich zogen, war super! Es war überhaupt kein Problem, dass unser Sohn mit dort war und dort die Welt erkundete. Bis heute eine gute Entscheidung!

Wir bauten das Team weiter aus, so dass später auch Mitarbeiter folgten, die mich dann unterstützten. Wir setzten Newsletter Kampagnen, AdWords Kampagnen und Anzeigenschaltung für unsere Kunden um. Alles in Allem war das eine gute Zeit. Als wir uns privat trennten, beschloss ich nach einigen Monaten, dass die berufliche Basis sehr darunter litt und ich schied aus dem Unternehmen aus. Das alles verlief dann wieder sehr unglücklich. Mehr zu alle dem, lest ihr gleich noch weiter unten 🙂 Nur, damit ich hier nicht den Anschein von Sonnenschein erwecke!

 

Was machst du heute beruflich?

Jede Mutter wird mir zustimmen: Mit einem 3-Jährigen sich selbständig machen, ist so eher … nun ja. Ich suchte mir daher nach ein paar Monaten nach der beruflichen Trennung eine Festanstellung. Leider ist die Agenturlandschaft sehr rau und viele Unternehmen scheitern. So musste ich mir zu Beginn 2016 nochmal eine neue Agentur suchen, weil die alte es nicht überlebt hat.  Zunächst als Texterin angestellt, übernahm ich in der neuen Stelle bald einen Teil des Projektmanagements. Das Team ist (oder war oder wie auch immer) übersichtlich und die Projekte interessant. Im Grunde eine Traumstelle!

 

Wie viele Stunden arbeitest du? Und wie bewältigst du den Spagat zwischen Kind und Familie?

Unser Sohn besucht seit seinem dritten Lebensjahr den Kindergarten und hat dort einen 45 Stunden-Platz. Die Kita öffnet um 7:15 Uhr und schließt um 16 Uhr. Meine Arbeitszeiten lauten von 8-15 Uhr. Da mein Sohn, wie bereits erwähnt, bei mir lebt, manage ich erst mal unseren Tagesablauf. Alle 14 Tage übernimmt der Papa von freitags bis sonntags (oder schon mal bis Montag, was seltener ist).

Termine außerhalb meiner Arbeitszeiten finden kaum statt. Da sie oft kurzfristig anberaumt sind, stellte mein Chef mich bisher nie vor die Wahl – er nimmt dann Kollegen mit. Das klappte also ganz gut. Sollte doch mal etwas sein, nutze ich mein Netzwerk. Dieses besteht aus meinen Eltern, die seit jeher einen Tag in der Woche das Kind von der Kita (früher) abholen und bis abends bespaßen. Ich finde das tatsächlich wichtig! Großeltern geben einfach ganz anderen Input, geben ganz andere Dinge weiter und gerade, wenn die Vaterfigur fehlt, ist ein wöchentlich anwesender Part unersetzbar. Aber auch für mich heißt das: Einmal die Woche habe ich einen Nachmittag frei. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Für weitere Notfälle sind eine Freundin und eine Kita-Mutter ebenfalls eingespannt und können aushelfen. Der Papa arbeitet lustigerweise aktuell auch sehr nah an der Kita und überbrückt schon mal die ein oder andere Stunde. Alles in allem ist das also eigentlich eine top Ausgangslage.

Leider ist es so, dass der Sohnemann kein gutes Immunsystem hat. Ich hoffe ja inständig darauf, dass wir dann das Thema in der Schule hinter uns haben. Bis dato ist er aber viel krank gewesen. Die ersten 2 Lebensjahre folgte eine Bronchitis und eine Mittelohrentzündung (bei jedem Zahn) auf die nächste. So war ich eigentlich immer schon viel krank zuhause. Das war als Selbständige schon ein Problem und ist nun als Angestellte nicht gerade erbaulich (zumal ich den Hang habe, mich anzustecken).
Dafür habe ich keine Lösung. Außer mich vielleicht in Akzeptanz zu üben 🙂

 

Liebe Petra, erzähl uns doch bitte von deinem neuen Projekt. Wie kam es dazu?

Ja, und da schließt sich der Bogen auch zu dieser Frage. Denn obwohl meine Ausgangslage mehr als günstig ist (ich weiß von viel schlimmeren Konstellationen), merke ich deutlich, dass diese Belastung von Arbeit und Kind an meinen Nerven zerrt.

Dazu nochmal ein kurzer Rückblick auf unsere Anfangsjahre: Wer glaubt, Gründen und Eltern werden in einem Atemzug sei eine ganz wunderbare Idee, dem sei gesagt: HA HA HA! 🙂 Jedenfalls dann nicht, wenn man wenig bis kein Startkapital hat und man sich ein Bein ausreißen muss, die Rechnungen bezahlen zu können.
Da schon führte die Situation zu einer Schwangerschaftsdepression, die sich schlecht behandelt, nach der Geburt (Kaiserschnitt) zur weiteren Depressionen auswuchs. Es ist vermessen zu sagen, dass alles hat unsere Beziehung zerstört. Aber das alles ist einfach sehr, sehr viel für ein junges Paar. Kurzum, es war eine blöde Zeit, die ich nicht wieder haben wollen würde und (das ist das Problem) bis heute nachwirkt. Massiv nachwirkt.

Warum ich das erzähle? Seit dieser Zeit bin ich hin- und hergerissen zwischen Beruf und Mutter-Dasein. Mich plagt oft das schlechte Gewissen, Unzufriedenheit und oft bin ich dann am Rande meiner (psychischen) Kräfte. Ich habe nach einer Haushaltsfee gesucht, werde aber nur schwer fündig und bin dazu vielleicht auch zu geizig? So bleibt mir auch der Haushalt… Ein Netzwerk habe ich, aber Arbeiten, Kind und Haushalt ist auch trotz der regelmäßig freien Wochenenden für mich (andere können das vielleicht anders) too much.

Hinzu kommt, dass mein Sohn mittlerweile ganz klar thematisiert: Mir geht es nicht gut mit 8 Stunden Kita, wenig Zeit mit Mama und wenig Zeit für Irgendwas. Denn seien wir ehrlich, wer um 16 Uhr aus der Kita kommt und um 19 Uhr schlafend ins Bett fällt (ja, auch das ist Luxus, den ich habe!), hat wenig Zeit für Freunde oder Aktivitäten. 
All das ist für manche Eltern der normale Alltag. Aber jede/r empfindet anders und bringt eine andere Vorgeschichte mit. Für mich, deren Beziehung zu ihrem Sohn schon einen schweren Start hatte, ist es eine Belastung. Das schlechte Gewissen ist omnipräsent.
Und da kommt mein neues Projekt ins Spiel: Ich möchte eine Auszeit nehmen. Weg aus Deutschland. Weg aus dieser Zwangsspirale. Ich will das durchbrechen. Darum soll es diesen Mai, Juni und Juli nach Bali reisen – mit Sohn! Und dort möchte ich fernab von allem, was mich einschränkt ein Buch über Elterndepressionen und Eltern-Burnout verfassen. DAS ist das Ziel. Da ich finanziell aber immer noch so gerade eben dastehe, bin ich akut dabei ein Crowdfunding Projekt daraus zu machen. Das heißt, ich möchte andere Bitten, mich bei der Entstehung des Buches und der Reise finanziell zu unterstützen. Ein gewagtes Projekt, was ich bis jetzt auch gut vorangetrieben habe. Gerade muss ich eine Phase von “ich kann das nicht” überwinden, aber ich behalte mein Ziel vor Augen! Ich werde das schaffen und anderen mit diesem Projekt Mut machen und mit dem Buch zeigen, WAS man alles als Mutter, getrennt Erziehende und Depressions-Gefährdete schaffen kann!

 

Und zum guten Schluss, welchen wertvollen Tipp, kannst du Müttern mit auf den Weg geben?

Normalerweise gebe ich Müttern gern mit auf den Weg, dass ein Netzwerk das A und O ist! Wer ein gutes Netzwerk hat, der braucht keine Angst vor unvorhergesehenen Ereignissen haben – und hat oft auch noch Gesprächspartner, die in der Regel sogar zur identischen Uhrzeit Zeit haben.

Aber heute würde ich gern noch einen anderen, wertvollen Tipp mit auf den Weg geben: MACHT EUCH FREI VON GEDANKEN (und Ausreden)! Damit meine ich wie folgt: Wir sind es oft, die uns selbst blockieren. Nein? Ich sage, auch wenn äußere Umstände uns im Weg stehen, sind wir es doch, die nicht darum herumlaufen!

Ein Beispiel: Deine Arbeit macht Dir ein schlechtes Gewissen, weil Dein Kind zu viel fremdbetreut wird? Dann wechsele den Job! Du findest in deiner Stadt keinen? Dann zieh um, oder lerne etwas Anderes. Oder mache eine Weiterbildung. Oder finde etwas Anderes zur Überbrückung.
Wenn Du willst, dass die Vereinbarkeit besser klappt, dann überlege, was Du dafür tun kannst! Deinem Chef einen Vorschlag unterbreiten? Das Team wechseln? Die Kita wechseln? Den Beruf, den Ort wechseln…?
Keine Ahnung, was zu dir passt, aber es wird etwas Passendes geben! WENN wir den Blickwinkel ändern.

Das alles geht nicht von heut auf Morgen, aber wenn wir aufhören, die “Probleme” zu sehen, statt in langfristig angelegten Lösungen zu denken, kommen wir nie zu einem guten Ergebnis. Und Erfolg heißt in diesem Falle: Wohlfühlen von Mama und Kind(ern) <3

Gern führe ich das ein andermal auch noch mal aus – bis dahin: Seid geduldig mit euch selbst und traut euch Veränderungen zu!

Ihr findet mich unter: www.ein-buch-auf-bali.de Dort gibt es alle Links, die man für einen Austausch so braucht! Ich freu mich auf euch!

Liebe Petra, vielen Dank für deine mutmachende Geschichte. Das MAMIHELDEN-Team wünscht dir ganz viel Erfolg mit deinem Buchprojekt – und drückt alle Daumen, dass du schon bald im Flieger nach Bali sitzt.

Fotocredit: Petra Hamacher

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