Beide Elternteile müssen an einem Strang ziehen

Heute erzählt uns Regina in unserer Serie „Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit“, wie es bei ihr verlaufen ist. Nach zwei Kindern kam für Regina aus unterschiedlichen Gründen ein Wiedereinstieg in ihrem alten Unternehmen für Informationssicherheitsmanagement nicht infrage. Doch Regina ist nicht unbedingt traurig wegen ihrer Situation – und nimmt ihr Leben lieber selber in die Hand. Sie glaubt fest daran: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich meistens eine andere …

Was war deine Position und Aufgabe vor deiner Elternzeit?

Ich war in einem größeren mittelständischen Unternehmen für das Informationssicherheitsmanagement verantwortlich. Da sich keiner was vorstellen kann, eine kurze Zusammenfassung: Bei Informationssicherheit geht’s unter anderem um IT-Sicherheit, Datenschutz, Datensicherheit allgemein und alles, was so dazu gehört.

In einer Stabsstelle des Vorstands hatte ich ein kleines Team in Deutschland und ausländische Kollegen, mit denen wir dieses Thema im Unternehmen betreut haben. Die Aufgabe hat mir Spaß gemacht, da ich viel vom Unternehmen gesehen und mitbekommen habe und auf der anderen Seite den direkten Draht zum Vorstand hatte. Im Großen und Ganzen war es hauptsächlich eigenverantwortliches Handeln mit viel Spielraum und Gestaltungsmöglichkeiten – was natürlich toll war.

 

Hast du nach deiner Elternzeit beim gleichen Arbeitgeber wieder begonnen? Wie war für dich der berufliche Wiedereinstieg?

Ich bin immer noch offiziell in Elternzeit bei meinem Arbeitgeber. Mein Mann und ich haben uns ganz bewusst für zwei Kinder entschieden, die nahe zusammen aufwachsen, also keinen großen Altersunterschied haben. So wurde 18 Monaten nach unserem Sohn gleich unsere Tochter geboren.

Die Kids sind inzwischen 3,5 und 2 Jahre alt und einen Wiedereinstieg in der Firma hatte ich bisher nicht. Die Führungsaufgabe hätte ich nach einem Jahr wiederbekommen, wenn ich mindestens 4 volle Tage gearbeitet hätte. Das wollte ich nicht und es stand ja auch wegen des zweiten Kindes nicht zur Diskussion. Ein Teilzeit Job kam und kommt aktuell aufgrund der großen räumlichen Distanz zum Unternehmen auch nicht in Frage und Home Office ist leider noch nicht wirklich etabliert.

Aber ich nehme ja mein Leben gern selbst in die Hand und bin wegen der Situation nicht ganz traurig. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich meistens eine andere, was mich zur nächsten Frage bringt.

 

Was machst du heute beruflich?

Bereits neben meiner Anstellung war ich schon in geringem Umfang selbständig tätig. Das habe ich auch während der Babyjahre nicht aufgegeben. Ich arbeite nun freiberuflich als Unternehmensberaterin für Informationssicherheit, Datenschutz und Risikomanagement und bin Lehrbeauftragte an einer Hochschule. Ich liebe diese Art und Weise, zu arbeiten. Ich bin mein eigener Chef, arbeite eigenverantwortlich und bin im Großen und Ganzen flexibel und kann mir die externen Termine so zu legen, dass sie mit der Familie und den Kindern vereinbar sind. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber zum Glück hat mein Mann auch einen tollen Job in dem er einigermaßen flexibel ist und mir so entgegenkommen kann. Ich vereinbare allerdings auch mit meinen Kunden gleich zu Beginn des Auftrags, dass ich soviel wie möglich von zu Hause aus mache. Bisher klappt das wunderbar.

Kürzlich ist sogar mein erster Artikel in einer IT Fachzeitschrift erschienen, was mich stolz macht.

 

Liebe Regina, erzähl uns doch bitte von deinem Projekt „dastoa“.

Irgendwie mein drittes Baby – dastoa 🙂 Dastoa ist eine Internetplattform und mein kleiner Blog, in dem es um Reisen mit und um Familie allgemein geht. Das ganze kam ziemlich ungeplant zustande. Wir haben vor einem Jahr unsere erste große Reise mit den Kindern nach Australien geplant und ich wollte einfach, so gut wie möglich vorbereitet sein. Vorbereitet am besten auf alle Eventualitäten und Situationen, die uns treffen konnten. Wo könnten wir am besten mit den Kindern in welchem Ort hingehen. Wo finden wir einen tollen Spielplatz? Gibt es kindgerechte Alternativen bei schlechtem Wetter? Diese und viele, viele Fragen und keine Antworten. Reiseführer geben kaum Stoff für Reisen mit Kindern und im Internet muss man wirklich jedes Detail einzeln recherchieren.

So war dann auch die Idee zu dastoa geboren. Ich wollte eine Plattform, an der sich tolle Plätze für Kinder und Familien finden. Da ich ja nicht jeden Ort auf der Welt abdecken kann, darf und kann jeder seine tollen Plätze, Strände, Restaurants, Spielplätze, Museen und und und selber einstellen. Aber es hat sich schnell herausgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, jemanden dazu zu bewegen, selber etwas zur Seite beizutragen.

Das macht aber nichts, ich habe schon andere Ideen, die Seite und Plätze zu füllen, es dauert leider nur etwas, bis wir selber die ganze Welt mit den Kindern bereist haben 🙂 Das ganze ist ja auch ein Hobby und wirft momentan nichts ab. Trotzdem, wenn DU dich jetzt angesprochen fühlst und einen guten Platz hast, den du für Familien empfehlen kannst, dann freue ich mich über den Input auf dastoa.

Zudem schreibe ich auch regelmäßig Blog Artikel über unsere Reisen und das Leben mit Familie im Allgemeinen. Ich schreibe gerne, einfach weil es mir Spaß macht. Die Konkurrenz im Blog Geschäft ist nicht klein und es ist schwer einen neuen Blog zu positionieren, vor allem wenn man nur ein begrenztes Zeitkontingent dafür aufwenden möchte. Aber mir macht es einfach Spaß und ich bin zuversichtlich, dass sich die Besucherzahlen schön langsam erhöhen werden.

 

Wie viele Stunden arbeitest du? Und wie bewältigst du den Spagat zwischen Job und Familie?

Puh, wie viele Stunden? Das ist total flexibel. Da ich ja nur meinen Kunden verpflichtet bin und keiner Stempeluhr in einem Unternehmen ist das ganz flexibel. Natürlich hört sich das alles super an und ich selber bin auch wirklich glücklich mit der Lösung, aber wahrscheinlich arbeitet man in einer solchen Situation eher mehr als weniger. Grundsätzlich gehören die Vormittage dem Job, wenn die Kinder im Kindergarten sind.

Da ich ja Hummeln im Hintern habe (wie mir mein Mann regelmäßig „vorwirft“), ist die Arbeit nicht das einzige, was neben der Familie bei mir noch läuft und alles unter einen Hut gepackt werden muss. Bevorzugt dann vormittags, aber irgendwann sind die Vormittage auch vorbei und viele Dinge noch ungetan. Letztes Jahr habe ich ein Master Studium Wirtschaftsinformatik begonnen. Das erste Semester lief überraschend gut (und das obwohl ich kaum anwesend war in den Vorlesungen). Jetzt habe ich noch ein Fachsemester vor mir und die Masterarbeit.

Der Blog benötigt auch seine Zeit. Am besten wären zwei oder mehr Artikel pro Woche, aber zwei ist absolutes Maximum. Mehr geht einfach nicht. Jeder Bericht ist Arbeit, braucht Zeit und auch die Auswahl der Bilder ist nichts, was mal so nebenbei geht (bei mir jedenfalls nicht). Für den Blog nehme ich mir hauptsächlich abends Zeit, wenn die Kinder schlafen.

Tja, und seit einer Woche habe ich nun noch ein weiteres „Baby“, was so gar nicht geplant war. Ich bin nun Vorsitzende unseres Kreisvereins der Wirtschaftsjunioren. Die WJ gibt es so ziemlich in jedem Landkreis in Deutschland und ähnliche Vereine auf der ganzen Welt. Hier kommen Unternehmer, Selbständige und Führungskräfte zusammen, tauschen sich aus und machen gemeinsam tolle Events und andere Veranstaltungen. Mir war schon klar, dass das Amt auch mit Arbeit verbunden ist, aber ich glaube schon langsam, da hängt noch mehr dran, als mir bewusst war. Trotzdem freue ich mich schon sehr darauf, weil es mir noch mal die Möglichkeit gibt, Einfluss zu nehmen und mitzugestalten. Ich bin ja auch nicht allein, sondern habe ein tolles Vorstandsteam, das mich unterstützt.

Aber ja, zur ursprünglichen Frage. Der Spagat zwischen Job und Familie klappt nur, wenn beide Elternteile am selben Strang ziehen. Wir sind sehr gut organisiert und haben die Entscheidungen gemeinsam getroffen, also unterstützt mein Mann auch meine vielen Interessen und Vorhaben. Er selber hat ja auch ein sehr zeitintensives Ehrenamt als stellv. Kommandant unserer (nicht ganz kleinen) freiwilligen Feuerwehr. Viel der ehrenamtlichen Tätigkeiten finden dann statt, wenn die Kinder abends bereits schlafen, so ist das für sie kaum ein zeitlicher Nachteil. Meine Nachmittage gehören den Kindern. Da gibt es auch keine geschäftlichen Termine. Zudem nutzen wir die Zeit, die wir gemeinsam haben, dafür auch intensiv und unternehmen viel als Familie. Es zählt also vor allem die Qualität der Familienzeit, nicht nur die Quantität.

 

Und zum Schluss, welchen wertvollen Tipp kannst du Müttern mit auf den Weg geben, die sich gerade in Elternzeit befinden und den beruflichen Wiedereinstieg planen?

Überlege dir was du vom Job und von deinem Familienleben erwartest. Wie muss dein Berufsleben aussehen, dass es dein Leben bereichert?

Überlege dir VORHER, was du möchtest und gehe Kompromisse nur ein, wenn du wirklich dazu bereit bist! Lass dir keine 30 Stunden aufbrummen, wenn du nur für 20 bereit bist. Deine Familie gehört zu Dir, geh nicht in den Job, wenn du sie „verleugnen“ musst oder immer versuchen musst, alles hin zu bekommen, als wärst du Single und ohne Kinder.

Und das Wichtigste aus meiner Sicht, hole dir Unterstützung. Regle den Einstieg in den Job so, dass dein Partner es mit trägt oder auch andere Familienmitglieder. Baue dir Vorher ein Auffangnetz aus Familie, Freunden oder einem Babysitter, auf den du zurückgreifen kannst. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen du auf Hilfe von anderen angewiesen bist. Je besser dieses Netzwerk ist und du und deine Kinder dich darin geborgen fühlen, umso wohler wirst du dich im neuen oder alten Job fühlen!

 

Foto: Regina Stoiber

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