Sport machen trotz Kind und Job? Geht das? – Interview mit Sari Rogge, Personal Trainer

Der Sport ist ein wichtiger Bestandteil in meinem Leben und seitdem ich Mutter bin mehr denn je. Während ich in Bewegung bin, beginnt für mich meine Auszeit und ich bin mit meinen Gedanken nur bei mir. Das was mir als Mutter im Alltag manchmal leider fehlt.

Dabei geht es mir nicht um die perfekte Bikinifigur oder ein bestimmtes Gewicht auf der Waage zu erreichen. Sport bedeutet für mich, bei mir zu sein und mich und meinen Körper zu spüren. Fit zu bleiben … nicht nur körperlich, sondern auch mental und dadurch auch zufrieden mit mir zu sein.

Ich bin davon überzeugt, wenn ich an erster Stelle mit mir zufrieden bin, sowohl körperlich als auch mental, überträgt sich diese Zufriedenheit auf viele Bereiche in meinem Leben. Doch mit dem Sport ist es oft nicht so einfach, dass Richtige für sich zu finden, wo man auch Spaß  hat und motiviert genug ist langfristig dran zu bleiben.

Daher möchte ich euch heute unbedingt Sari vorstellen. Sari ist Personal Trainer, Ernährungscoach und selbst zweifache Mutter. Als Alleinerziehende steht auch sie im Alltag immer wieder vor Herausforderungen. Doch für ihre Kinder und für sich selbst ist sie stark und möchte euch Mut machen. Ja, es ist möglich…. wir können so viel schaffen, wenn wir an uns glauben.

Sie glaubt daran, dass es keine Fitness-Regel gibt, die für alle Menschen gilt. Sondern dass jeder Körper seine eigenen Regeln hat. www.sari-rogge.de

Liebe Sari, schön dass Du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Magst Du dich kurz vorstellen?

In Finnland und Deutschland aufgewachsen, zog sich trotz vieler Umzüge ein roter Faden als Konstante in meiner Kindheit und Jugend hindurch: die Liebe zur Bewegung. Das Tanzen bot mir schon immer ein Ventil und eine Ausdrucksform für Emotionen, was ich schon sehr früh weitergeben wollte. Später kamen noch andere Bewegungsformen hinzu, die sich im pädagogischen Beruf sehr gut integrieren ließen, da jeder einen individuellen Zugang und eine Affinität hat, es muss nicht immer der Tanz an sich sein. Aus der Tätigkeit des Unterrichtens wurde nach der Geburt meiner Töchter eine sehr viel individuellere Herangehensweise, sodass ich nun seit sieben Jahren hauptberuflich als Personal Trainerin und Ernährungscoach arbeite. Die spannenden Erfahrungen mit den beiden Schwangerschaften und den Aufgaben als Mutter brachten mich zu einer ganzheitlicheren Sichtweise der Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele, sodass ich diese Bereiche in ein Konzept gefügt habe, mit dem ich heute Klienten begleite.

Was ist das Besondere an deinem Konzept?

Das Besondere ist vermutlich die erweiterte Perspektive, aus der ich das Thema eines Klienten betrachte. Es ist sozusagen eine Ursachenforschung, bei der ich verschiedenste Werkzeuge aus den Bereichen Ernährung, Entspannung und Bewegung sehr individuell einsetze. Jedes Ziel erfordert einen Prozess, der nicht selten anders ist, als es uns von der Werbung oder der Gesellschaft herangetragen wird und genau das ist das richtig spannende: keine Session gleicht einer anderen. Manche Klienten brauchen erstmal die Fähigkeit zu entspannen und loszulassen, bevor eine sinnvolle Kraft erzeugt werden kann, die sich in der Bewegung zeigt und spürbar ist. Beim Thema Abnehmen ist häufig ein ernährungspsychologisches Know-How ein effizienter Ansatz. Jeder Klient steht aus einem bestimmten Grund an einem Punkt im Leben, und ich sehe meine Aufgabe darin, ihn möglichst dort abzuholen und respektvoll zu weiteren Zielen stückweit zu begleiten. Mein Ziel? Dass die Klienten möglichst schnell erfolgreich sind und fest und souverän auf eigenen Beinen stehen. Dass sie sich in ihrer Haut (wieder) wohl fühlen.

Sari Rogge Selfness Training

Viele Menschen wollen unbedingt mit dem Sport anfangen, weil sie ein bestimmtes Ziel erreichen wollen. Leider ist es dann so, dass die Motivation meistens schnell verloren geht. Hast Du Tipps, wie ich dranbleiben kann?

Ja! Das Wichtigste, um auch im Sport dranzubleiben, ist ein Kohärenzgefühl. Das bedeutet, dass wir uns möglichst kompetent fühlen. Den größten Fehler, den wir alle nach einer Auszeit machen, ist zu viel und zu schnell zu wollen und uns dann unter Druck zu setzen. Der Weg ist das Ziel. Zum einen sollte die Art der Bewegung Spaß machen, und zwar nicht erst Monate später bei einem Erfolg auf der Waage, sondern währenddessen. Es gibt so viele Arten, sich zu bewegen, wichtig ist wirklich nur damit anzufangen und dies als Initialisierung zu sehen. Auch das Pensum sollte nicht überfordernd sein. Klein anfangen, so dass man richtig Lust auf mehr bekommt. Jeder kann erstmal 10 Minuten um den Block gehen, das reicht für den Anfang. Daraus werden schnell mehr und diese Gewohnheit wird zu einem wichtigen Bestandteil unseres Lebens, sodass wir bald vielleicht mehrmals die Woche längere Strecken joggen und uns besser fühlen.

Gerade für berufstätige Mütter ist es oft nicht leicht, sich auch noch die Zeit für Sport zu nehmen. Wie schaffe ich es im Alltag mir dafür die Freiräume zu nehmen?

Ehrlich gesagt ist es oft eine Frage der Prioritäten, das kenne ich von mir selbst. Einen Babysitter zu organisieren, wenn es um berufliche Termine geht, klappt immer. Bei privaten Treffen oder Vorhaben, bei denen man selbst auflädt, ist es plötzlich ganz schwierig. Das ist für mich der entscheidende Gedanke: „ich bin auch wichtig, nicht nur meine Kinder und Klienten.“ Ich selbst fand es immer etwas schwierig, die Kinder in mein Sportprogramm zu integrieren, weil immer etwas war und das Training nicht auslastend war, aber das ist Typsache. Oft helfen auch integrierte Maßnahmen, wie ein Raum oder nur eine Yogamatte, um sich zurückzuziehen, wenn die Kinder schlafen.

Sari Rogge Selfness Training

Welchen Zusammenhang gibt es für dich von körperlicher und beruflicher Fitness?

Da das körperliche Training unglaublich viele Effekte auf unseren Organismus, aber auch auf „Geist und Seele“ einiges positiv verändern kann, kann es nur vorteilhaft sein. Außer man übertreibt es im Training, setzt sich weiter unter Druck und Zwang oder begibt sich permanent in ein Energiedefizit. Ein positiver Effekt ist zum Beispiel der bidirektionale Zusammenhang zwischen innerer und äußerer Haltung: mittlerweile ist in Studien belegt, dass sich nicht nur unser Gemüt auf die Haltung auswirkt, sondern auch umgekehrt verändert werden kann. Durch eine aufrechte und selbstbewusste Haltung verändert sich unsere Hormonsituation und wir fühlen uns besser, haben mehr Selbstvertrauen und packen die Dinge anders an. Sich zu spüren und wahrzunehmen wird immer wichtiger, um uns nicht in Rollen und Funktionen selbst zu verlieren. Dagegen müssen wir ansteuern, und das geht über den Körper sehr gut. Wenn wir uns nicht bewegen, leidet unsere Gesundheit mehr als wir denken. Nicht umsonst kursiert in unserer Branche momentan die Aussage „Sitzen ist das neue Rauchen“.

Du bist selbst zweifache Mutter und berufstätig. Wie sieht für dich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus und welchen Tipp kannst Du anderen Müttern vielleicht mit auf dem Weg geben?

Was ich für einen Tipp geben kann? Den suche ich ja selbst jeden Morgen 🙂

Es ist ein Spagat, man braucht Nerven wie Drahtseile und ein stabiles Selbstwertgefühl, da man es nie allen recht machen kann (gefühlt). Investiert man zu viel Energie in den Beruf, fühlt man sich als Rabenmutter. Investiert man zu wenig, hat man ein schlechtes Gewissen und erntet wenig Verständnis. Am besten wäre es, man könnte sich klonen und sich 24/7 an zwei Orten gleichzeitig aufhalten. Ich denke man kann tausende Dinge finden, die man nicht perfekt schafft, weil man leider nur ein Mensch ist. Ohne Prioritäten geht man baden. Und wie finde ich die? Ganz ehrlich, ich versuche auf mich zu hören. Nicht auf das, was mein Umfeld von mir erwartet, sondern was mir persönlich am Wichtigsten ist und dann… wird man den Preis dafür bewusst bezahlen. Wir haben nicht den Luxus, alles schaffen zu können. Das kommt sicher wieder, wenn die Kinder größer sind. Doch für mich gibt es einen Grund, warum ich die größten Geschenke  meines Lebens auf die Welt gebracht habe: ich bereite sie so gut ich kann auf ihr eigenes Leben vor, mit Liebe und Energie. Und wenn ich das nicht könnte, wäre ich unfassbar unglücklich. Doch auch hier ist wieder jeder sehr individuell und kann die Fragen der Prioritäten nur für sich selbst beantworten. Ich bin nur der Meinung, dass einfach viel zu viel von Müttern erwartet wird und dass wir oft von anderen beurteilt werden, die einfach keine Ahnung haben. Von diesen Urteilen müssen wir uns dringend befreien, denn es ist unser Leben und es sind unsere Kinder. Wir dürfen machen was wir wollen, solange keiner zu Schaden kommt.

Sari Rogge Selfness Training

Liebe Sari, ganz lieben Dank für das Interview.

 

Sari wird uns die nächsten Wochen auf dem Blog noch weiter begleiten, denn sie wird euch wertvolle Tipps und praktische Empfehlungen weitergeben, die euch im Alltag als Mutter weiterhelfen den Sport vielleicht auch zu integrieren.

Dabei wird sie gezielt auf folgende Themen eingehen:

Sport nach der Geburt

Sport im Alltag als Berufstätige mit Job & Familie

Ernährung

Wenn du mehr über Sari erfahren möchtest, schau doch mal bei ihr auf der website www.sari-rogge.de vorbei.

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