photo: Katharina Bies

Selbständig machen in der Elternzeit – MAMIHELDEN Interview mit Ulrike

Die Elternzeit ist die perfekte Zeit, seinen Gedanken und Ideen für die berufliche Entwicklung, Raum zu geben. Wie geht es beruflich für mich weiter? Ist mein alter Job noch der Richtige für mich oder möchte ich was Neues probieren? Wage ich sogar den Schritt in die Selbständigkeit?

In beiden Elternzeiten hatte ich immer wieder die Gedanken und tausend Ideen, mit was ich mich alles selbständig machen möchte. Wo es in der ersten Elternzeit noch ausschließlich die Ideen im Kopf waren, habe ich während der zweiten Elternzeit einen eigenen Online Shop für Interior Produkte gegründet, den ich nach meiner Tochter benannt habe. Das war mein erster Versuch in Richtung Selbständigkeit, doch nach Ende der Elternzeit bin ich trotzdem wieder in meinen alten Job zurück. Mir hat zu dem Zeitpunkt einfach der Mut gefehlt und ich habe dementsprechend meine Zeit noch gebraucht für das ganz große Abenteuer Selbständigkeit 😉

Heute möchte ich euch Ulrike vorstellen, die ihre Elternzeit auch dafür genutzt hat sich selbständig zu machen und ihre Erfahrungen gerne teilen möchte. Sie hat zusammen mit einer Kollegin das Projekt Elternglück gegründet, ein Kompetenzzentrum für Eltern.

Liebe Ulrike, vielen Dank für das Interview. Magst Du Dich vorab kurz vorstellen?

Mein Name ist Ulrike, ich bin 38 Jahre alt und komme vom Ammersee, zu dem ich mich witzigerweise seit ich selbst Mama bin wieder sehr tief verbunden fühle. Dort lebe ich auch mit meinem Mann und den zwei Kindern, 3 und 7.

Was hast du beruflich vor deiner Elternzeit gemacht?

Vor meiner letzten Elternzeit war ich an der Hochschule als Referentin des Dekans tätig – in Teilzeit, da ich ja schon ein Kind hatte. Diese Stelle hatte ich nach meiner ersten Elternzeit begonnen, da ich vor meiner ersten Elternzeit als Wissenschaftlerin an einem renommierten Wirtschaftsforschungsinstitut gearbeitet hatte und ich wusste, dass ich das mit einem kleinen Kind nicht packen würde. Also hab ich mich aus der Elternzeit heraus beworben und weiß wie schwer das sein kann, eine adäquate TZ-Stelle zu finden. Ja und in der zweiten Elternzeit ist dann auch alles anders gekommen…

Wie ist dann die Elternzeit für dich verlaufen?

Die zweite Elternzeit ist in den ersten Monaten ganz entspannt für mich gelaufen. Meine Kleine war ein sehr liebes Baby. Sie wollte immer bei mir sein, aber wenn sie das erfüllt hatte konnte ich mit ihr so ziemlich alles machen. Ich hatte mir ja vorgenommen in dieser Elternzeit eine Coaching-Ausbildung zu machen, die losging, als die Kleine ein Jahr war. Diese Ausbildung wollte ich machen, weil ich mir einerseits sehr gut vorstellen konnte später in dieser Richtung zu arbeiten und weil ich zum anderen in der Elternzeit nicht still zu stehen wollte und sich solch eine Ausbildung prima anbietet, an sich und an seiner eignen Kompetenz weiter zu arbeiten. Doch dann kam ja noch die Idee mit projekt Elternglück dazwischen…

Welche Gedanken hattest du in der Elternzeit wegen deinem Wiedereinstieg?

Mir war schon klar, dass ich wieder an die Hochschule zurück wollte, nur verlängerte ich die Elternzeit auf 3 Jahre, da meine Betreuungssituation für die Kleine nicht so toll aussah. Und so hatte ich den Freiraum, mir über eine Gründung Gedanken zu machen.

photo: Katharina Bies

Was war für dich der entscheidende Auslöser zu sagen, jetzt wage ich den Schritt in die Selbständigkeit während der Elternzeit?

Der entscheidende Auslöser war, dass ich die Idee nicht alleine verfolgte. Julia, meine heutige Geschäftspartnerin, lernte ich im Rückbildungskurs kennen – ihre Tochter und meine sind nur 3 Wochen auseinander. Anfangs haben wir nur locker über mögliche Ideen einer Gründung während eines nachmittäglichen Spieletreffs gesprochen, bei einem Glas Wein Abends wurde es dann schon konkreter. Und so haben sich verschiedene Ereignisse die Hand gegeben: Ein Kurs für Gründer beim LMU Entrepreneurship Center, ein Business Model Canvas „mal zum Spass“ im
Winterurlaub und plötzlich war der Stein im Rollen…von da an haben wir uns regelmäßig getroffen und die Idee verfolgt, doch für die Mamas mal alles an einen Ort zu packen, was sie so vor und nach der Geburt so brauchen: Hebammen, Kurse, Beratungen usw.

Wie hat dein Umfeld (Familie und Freunde) darauf reagiert?

Mein Mann war natürlich anfangs skeptisch zurückhaltend, vor allem weil er sich innerlich glaub ich auf das Thema Coaching eingestellt hatte. Aber mit der Zeit hatten Julia und ich unsere Männer voll mit im Boot und wir haben sehr nette Abende zu Viert verbracht, wo wir einzelne Aspekte unserer Idee nochmal intensiv beleuchtet haben. Bei unseren Freunden war es auch ganz interessant: anfangs konnten alle glaub ich nicht glauben, dass sich aus der Idee dann doch was Konkretes entwickelt.

Was waren bzw. sind deine Herausforderungen?

Meine größte Herausforderung ist einfach der Faktor Zeit. Hier die Balance zu halten zwischen den beruflichen und privaten Herausforderungen ist nicht leicht – bis heute. Und die Fokussierung: wenn sich das Feld der Verwirklichung einer eigenen Idee aufmacht sind da plötzlich so viele Möglichkeiten – und hier muss ich bis heute lernen abzuwägen und nicht alles gleichzeitig zu verfolgen.

Wie geht es dir aktuell mit deiner Entscheidung?

Sehr gut. Es hat sich alles perfekt gefügt: Zum einen die Arbeit mit den Mamas im projekt Elternglück und zum andern habe ich die Chance ergriffen an der Hochschule Coaching & Workshops für Studierende anzubieten. Diese Mischung ist aktuell für mich eine sehr gute Lösung.

Hast du Tipps für andere Mütter, die sich auch überlegen in ihrer Elternzeit sich selbständig zu machen?

Ja natürlich!

  1. Die Elternzeit ist ein sehr guter Zeitpunkt um einer eignen Idee Raum zu geben – man ist zeitlich sehr flexibel, wenn man es schafft sich zu disziplinieren. Vor allem die Abendstunden waren für mich wie eine Insel, auf die ich mich zurück ziehen konnte, wo es mal ruhig im Haus war.
  2. Jeder kann es wagen und jede Idee hat eine Chance verdient!
  3.  Mit dem „Feuer im Hintern“ trotzdem versuchen möglichst klassisch da ranzugehen: Business Plan erstellen usw. Das hilft bei dem Vorankommen.
  4. Wenn möglich sich einen Partner mit ins Boot holen – zu mehreren machte es einfach viel mehr Spass und jeder kann seine Stärken mit einbringen.
  5. Beratungsstellen aufsuchen: mir hat z. B. guide e.V. in München sehr geholfen, weiterzukommen und mit anderen Gründerinnen zusammen zu treffen.

Eine Gründung ist wie ein großes Bild, das sich aus ganz vielen kleinen Mosaiksteinchen zusammensetzt. Das braucht Zeit und Geduld, aber irgendwann kann man schon mal erkennen, dass es ein Bild wird. Das fühlt sich gut an! Ich kann nur jedem mit solche einer Idee viel Spass wünschen!

Vielen Dank für das Interview und deine Zeit!  Ich wünsche dir persönlich alles Gute und viel Erfolg für deinen weiteren Weg.

Wenn du Lust hast, dich mit Ulrike oder mir auszutauschen, dann komme gerne am 13./14.10.2017 zur Babywelt Messe München im MOC. Wir werden an beiden Tagen einen Workshop anbieten zum Thema Babyglück & Wiedereinstieg – Wie funktioniert es wirklich? Wir freuen uns auf dich.

Deine Sabrina

photo: Katharina Bies

 

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