„Mein Wiedereinstieg aus der Elternzeit“ – Mit drei Kindern zurück in die 50h Woche

In der Serie „Mein Wiedereinstieg nach der Elternzeit“ erzählt uns Cindy, wie sie nach 10 Monaten Elternzeit mit ihrem dritten Kind wieder in ihren Job zurück ist. Mit dem Angebot als Tagesmutter in Vollzeit eine Einrichtung für Kinder zu übernehmen.

 

Was war deine Position und Aufgabe vor Deiner Elternzeit?

Meine ersten beiden Elternzeiten sind schon etwas länger her, daher möchte ich gerne die letzte Elternzeit und den Wiedereinstieg meines dritten Kindes schildern. Schon vor der Geburt meines dritten Kindes habe ich eine Ausbildung als Tagespflegeperson für Kinder absolviert und damit den Weg in die Selbständigkeit gewagt. Ich habe als qualifizierte Tagesmutter gearbeitet und Kinder betreut, deren Eltern keinen Kinderkrippenplatz in Anspruch nehmen wollen.

 

Wie lange hat Deine Elternzeit gedauert?

Ich plante ursprünglich den Wiedereinstieg nach einem Jahr, evtl. 15 Monaten Elternzeit als Schwangerschaftsvertretung für Tagesmuttis. Mir reichte allerdings ein Elternzeitanspruch von 10 Monaten, da ich zu diesem Zeitpunkt eine komplette Einrichtung mit lieber Kollegin übernehmen durfte.

 

Wie ist Dein Wiedereinstieg aus der Elternzeit verlaufen?

In meiner  Elternzeit war ich natürlich sehr entspannt. Da ich mit dem Jugendamt zusammen arbeite und wir auch während meiner Elternzeit im Kontakt standen, gab es für mich auch nicht wirklich Druck. Ich wollte ganz in Ruhe wieder einsteigen, z.B. als Schwangerschaftsvertretung für eine Tagesmutti. Doch dann bekam ich einen Anruf vom Jugendamt, ob ich bereits früher zur Verfügung stehen würde, da eine Tagesmutti aus persönlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann und eine Nachfolgerin und Kollegin für ihre Partnerin sucht.

Ich habe mich gefreut, wusste aber auch dass es anfangs sehr stressig wird. Ich musste in kurzer Zeit ein neues Konzept erstellen, um meine Pflegeerlaubnis zu bekommen und brauchte Zeit, um meine neue Kollegin kennenzulernen, sowie die Kinder und deren Eltern, die ich mit übernehmen wollte. Gleichzeitig hatten wir die Eingewöhnung mit unserer kleinen Tochter in der Krippe. Die plötzliche 50hWoche hat mich anfangs auch sehr geschlaucht. Das alles hat sich nach wenigen Wochen aber gelegt und ich habe mich sehr schnell wieder eingefunden.

 

Bist Du noch bei Deinem gleichen Arbeitgeber? Was sind Deine Aufgaben heute?

Während meiner Elternzeit hat sich nicht viel geändert. Neu war die Zusammenarbeit des Jugendamtes mit einer Vertretungsfirma, die im Krankheitsfall bei Verfügbarkeit eine (natürlich auch qualifizierte) Vertretung schicken kann. Wenn es mich also auch mal erwischt oder ich wegen eines meiner Kinder zu Hause bleiben muss, ist jemand vor Ort, der mich vertritt. Sollte keine Vertretung verfügbar sein, weil alle im Einsatz sind, unterstützt mich mein Mann und bleibt mit unserem kranken Kind/ unseren kranken Kindern zu Hause.

 

Wieviel Stunden arbeitest Du heute und kannst Du Deinen Job mit Deiner Familie gut vereinbaren?

Meine Arbeitszeiten richten sich nach den Betreuungszeiten meiner Kinder. Meine Einrichtung  ist täglich 10 Stunden geöffnet.

Ich spreche mich mit den Eltern ab und bin da, wenn das erste Kind zu mir in die Einrichtung kommt. Wird das letzte Kind nachmittags abgeholt, endet mein Arbeitstag. Somit variiert meine Arbeitszeit zwischen 8 und 10  Stunden. Unsere großen Kinder gehen und kommen selbständig zur Schule und nach Hause. Am Nachmittag holt mein Mann unsere kleine Tochter von der Krippe ab und ist dann zu Hause und kümmert sich um Schularbeit und co.

 

Wie schaffst Du den Spagat zwischen Job und Familie?

Mit der Unterstützung meines Mannes, der glücklicherweise flexible Arbeitszeiten hat, schaffen wir den Spagat zwischen Job und Familie recht gut. Wir planen sonntags die Organisation für die nächste Woche, stimmen unsere Termine ab und können deshalb unser Familienleben genießen.

Schwierig wird es manchmal, wenn eines unserer Kinder plötzlich nachts krank wird. Dann überlegen wir hin und her, wie wir es am Morgen machen… Wer fährt zum Arzt? Wenn es bei meinem Mann dienstlich nicht zu machen ist, muss ich mich früh gleich kümmern, eine Vertretung zu bekommen. Ich muss mich bei den Eltern melden, nebenbei aber noch mein krankes, fieberndes Kind trösten und pflegen. Das sind Situationen, in denen man an seine Grenzen stoßen kann und wir auch ins Rudern kommen…

Das ist dann auch der Nachteil gegenüber einem Arbeitgeber, bei dem man sich einfach krank melden kann, ohne sich um Vertretungen kümmern zu müssen, etc.

 

Was kannst Du anderen Müttern als Tipp mitgeben, wenn sie den Ein- oder Wiedereinstieg in den Job antreten?

Ich möchte anderen Müttern mit auf den Weg geben, ihre Partner mit einzubeziehen. Denn wenn beide Elternteile gut zusammen arbeiten und organisiert sind, klappt alles viel leichter.

Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit im Haushalt und in der Kinderbetreuung ist natürlich, dass beide Elternteile in der Woche täglich zu Hause sind!

Arbeitsteilung bedeutet für mich, dass beide Partner abwechselnd die Kinder wegbringen und abholen…

Mein Mann fährt z.B. mit unseren Kinder zu den Impfungen, weil er weiß, dass ich dabei nicht gern zusehe.

Habe ich doch mal früher Schluss, rufe ich ihn an, dass ich unsere Jüngste aus der Krippe hole und er kann länger arbeiten oder noch spontan zum Sport gehen. So versuchen wir uns gegenseitig soviel Spielraum wie möglich zu schaffen.

Damit mein Mann und ich auch mal gemeinsamen Aktivitäten nachgehen können, springen schon mal gern die Großeltern ein. Mir ist bewusst, dass es viele Mütter gibt, deren Männer nur am Wochenende zu Hause sind oder deren Eltern zu weit weg wohnen, um spontan die Kinder zu betreuen. Dann solltet Ihr Euch nicht scheuen, auch gute Freunde einzubeziehen, die Euch unterstützten können.

 

Liebe Cindy, ich finde es beeindruckend wie Du es mit drei Kindern und guter Organisation schaffst in Vollzeit zu arbeiten. Es zeigt uns,wie wichtig es ist einen Partner an seiner Seite zu haben, der einen unterstützt. Du bist eine echte Mamiheldin.Vielen Dank für Deine persönliche Geschichte.

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