Mein Mann, seine Karriere und ich

Die liebe Berdien hat zu ihrer Blogparade „Mein Mann, seine Karriere und ich“ aufgerufen. Sie schreibt auf ihrem Blog bejewly über ihr Leben als Diplomatenfrau und Mama von drei Kindern. So ein Diplomatenleben hat natürlich viele schöne Seiten, aber auch Herausforderungen.

Unter anderem ist es nicht leicht, die eigene berufliche Karriere weiter voranzutreiben. Auch hier gilt oft noch das alte Rollenklischee, dass die Frau dem Mann und seiner Karriere den Rücken freihält, selbst zurücksteckt und sich um Haushalt und die Kinder hauptsächlich kümmert.

Berdien hat daher einen Aufruf gestartet und möchte unbedingt wissen, wie es in anderen Familien läuft.

Meine Rolle als Mutter hat mich im Job weitergebracht

In meiner Familie heißt es ganz klar „Mein Mann, unsere Karriere und ich“. Obwohl bei dem Wort Karriere in meinem Verständnis immer noch eine leicht negative Bedeutung mitschwingt. Berufliche Entwicklung ist für mich passender. Egal ob neues Wissen dazukommt oder die nächste Position mit mehr Verantwortung.

Meine Kinder sind jetzt 8 und 5 Jahre alt und ich muss sagen, dass mein Mann und ich uns in dieser Zeit beide enorm weiterentwickelt haben.  Mit all seinen Höhen und Tiefen.

Nach der Geburt meines ersten Kindes bin ich nach einem Jahr mit 30h/Woche in Teilzeit eingestiegen und habe relativ schnell danach ein Jobangebot als Personalleiterin bekommen, die Voraussetzung war Vollzeit. Mein Mann war zu diesem Zeitpunkt angestellter Geschäftsführer und wir haben uns darauf geeinigt, dass er mich in dieser Zeit einfach unterstützen muss!

Kind bringen, abholen, Einkaufen, Abendessen vorbereiten haben wir uns geteilt. Klar sind wir hier auch manchmal an unsere Grenzen gekommen, aber es war für mich im Nachhinein immer noch die beste Entscheidung.

Ich habe diesen Schritt nie bereut, denn in der Zeit hat mich meine berufliche, aber vor allem persönliche Entwicklung sehr vorangebracht und noch stärker gemacht.

Haushalt und Kuchen backen, machen mich nicht glücklich

Nachdem meine Tochter geboren wurde und ich 2013 wieder das Arbeiten begann, habe ich zunächst das klassische Teilzeitmodell von 25h/Woche gewählt. Allerdings waren meine Tätigkeiten jetzt nicht mehr so anspruchsvoll, so dass ich auch irgendwann nicht mehr glücklich war im Job.

Mein Mann hat in der Zeit einen neuen Job als Geschäftsführer angefangen, wo er sehr gefordert wurde.  Haushalt, Kinder bringen und abholen, Einkaufen, Elterngespräche, etc. waren komplett meine Aufgabe. Dazu kam mein Job, der mich eigentlich nicht mehr glücklich machte. Anerkennung gab es keine. Im Job nicht, ab und an vom Mann( der war in der Zeit mit sich beschäftigt) und die Kinder sagten es mir auch nicht. Mit der Zeit wurde auch die Unzufriedenheit größer und wahrscheinlich nahm auch das Selbstwertgefühl ab, was ich mir davor so stark erarbeitet hatte.

Ich versuchte diese Unzufriedenheit anders zu kompensieren und ANDEREN! wieder zu beweisen, dass ich doch was kann. Elternbeirat, die tollsten Kindergeburtstage organisieren, exzessiv Sport treiben und für Wettkämpfe trainieren. Immer abgelenkt sein, anderen beweisen, dass man doch gut ist in dem was man tut, die perfekte Mutterrolle nach außen darstellen –  ich war in der klassischen Mama-Hamsterrad-Stressfalle.

Unsere Kinder sollen an sich glauben – Wir Mütter an uns aber auch!

2014 habe ich neben meinem Job eine Ausbildung zum Systemischen Business Coach gemacht, die ein Jahr dauerte und in dieser Zeit nahm ich meinen Mann wieder mehr in die Verantwortung. Er musste ab sofort freitags die Kinder abholen und war das Wochenende mit ihnen alleine. Musste den Haushalt machen, Einkaufen und sich um die Kinder kümmern.

Seitdem ist enorm viel passiert! In meiner beruflichen, aber wieder vor allem in meiner persönlichen Entwicklung.

Ich habe meinen Job Ende 2015 gekündigt und habe mich selbständig gemacht. Der Schritt in die Selbständigkeit war die mutigste Entscheidung, die ich bisher in meinem Leben getroffen habe. In dem Moment habe ICH mir selbst die Bestätigung gegeben, dass ICH was kann und nicht für die ANDEREN.

Das ist für mich auch Karriere…einfach mal den nächsten Schritt gehen, sich trauen, mutig sein und an sich glauben, dass man es schafft. Auch wenn man Mutter ist.

Unseren Kindern sagen wir das dauernd, dass sie an sich glauben und auch mal mutig sein sollen. Dass sie alles in ihrem Leben erreichen können, wenn sie es wirklich wollen. Das können wir Mütter genauso und sollten unseren Kindern auch in diesem Bereich unseres Lebens ein Vorbild sein.

Zusätzlich habe ich all meine Ämter in Elternbeiräten abgelegt, meine Kinder sind zum Geburtstag auch mit einem klassischen Marmorkuchen glücklich, ich treibe nur noch Sport, um wieder mehr bei mir zu sein und trainiere nicht mehr um Bestzeiten.

Mein Mann muss auch für das Sommerfest Kuchen backen

Mein Mann spielt in meiner aktuellen Situation eine ganz wichtige Rolle. Denn wer glaubt, dass man in seiner Selbständigkeit die absolute Flexibilität hat, den muss ich leider enttäuschen. Mein Mann ist jetzt wieder viel mehr in unserem Familienalltag gefordert. Wenn ich in Kundenprojekten bin, geht mein Arbeitstag auch mal bis 19 Uhr. Wenn der Babysitter nicht kann, muss er die Kinder abholen. Einkaufen ist seine Aufgabe am Wochenende und wenn ein Sommerfest im Kindergarten ansteht und ich arbeiten muss, dann muss er auch mal den Salat oder Kuchen zubereiten. Thermomix sei Dank 🙂 Meine Geduld bei Hausaufgaben ist nicht die Größte, daher übernimmt er diesen Teil, wenn es mal am Nachmittag anstrengend wird. Genauso wenig sind die Waschmaschine und das Bügeleisen für ihn keine fremden Haushaltsgeräte . Auch die Männer wachsen an ihren Aufgaben und entwickeln sich weiter, wenn wir ihnen die Verantwortung dafür geben.

Es gibt natürlich auch Tage, wo ich mit meinem Mann in Diskussion gehen muss. Er sagt dann, dass er ja in einem verantwortungsvollen Job ist und nicht immer um 16 Uhr die Kinder abholen kann. Das mag sein, aber mein Job ist mir genauso wichtig und das muss er verstehen. Diese Themen werden auch mit und vor den Kindern besprochen und sie müssen erkennen, dass die Mama genauso einen Job, wie Papa hat, der ihr wichtig ist.

Gleichberechtigung fängt in unserer Familie an

Das ist auch mein Rezept, wie die berufliche und persönliche Entwicklung  funktionieren kann. Das Leben als Familie auf Augenhöhe leben und im Gleichgewicht sein. Wenn es nicht so gelebt wird, wird es langfristig auf einer Seite zu Unzufriedenheit führen. In meinen Augen sind die Mütter hier leider immer noch sehr stark davon betroffen und ich erlebe es tagtäglich in meinem Umfeld, dass Mütter diese Unzufriedenheit wieder anders kompensieren, so wie es bei mir auch war.

Ich bin aktuell glücklich mit meiner Situation, auch wenn ich an meine Grenzen komme. Aber diese Grenzen setze ich mir im ersten Moment selbst und wenn ich diese überwinde, macht es mich auch stolz und ich bin zufrieden als Frau, als Mutter und im Job.

 

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2 Comments
  • Reply
    Nicole
    15. Juli 2017 at 16:43

    Ich kann den Schritt gut nachvollziehen. Vor allem das Thema Vereinbarkeit verstehen viele Männer so, dass ihre Frauen zu Haushalt und Kind(ern) jetzt einfach auch noch arbeiten gehen. Wir Frauen sind belastbar und schaffen es, vieles zu wuppen. Aber viele reden sich selbst ein, sie müssten alles ALLEINE wuppen. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich von 0 auf 60% aufstocke, mein Mann von 100 auf 60% reduziert. So haben wir mit Unterstützung der Großeltern einfach auch noch genug Zeit für echtes Familienleben, das nicht nur zwischen Tür und Angel stattfindet, zumal mein Beruf manchmal etwas ungewöhnliche Arbeitszeiten mit sich bringt. Lass Dir von keinem einreden, dass Dein Beruf nur die Hälfte Wert ist. 🙂

    • Sabrina
      Reply
      Sabrina
      17. Juli 2017 at 9:25

      Dankeschön und genau das mache ich auch….Mir von niemanden einreden lassen, dass mein Job nur die Hälfte wert ist.
      Euer Modell klingt auch gut und ich finde es klasse, dass dein Mann da auch diesen Schritt mitgeht. Leider haben nicht alle Familien die Option, aber wenn man Möglichkeiten hat, dann sollte man sie auch nutzen und gerade wer die Großeltern vor Ort hat. Unsere sind leider 800km weit entfernt, aber ein gutes Netzwerk aus Freunden, Beakannten, Babysitter und eben das auch mal der Mann einspringt, ist schon eine große Unterstützung.

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