Im Vorstellungsgespräch einfach die Ideen klauen?

„Uns hat Ihre Bewerbung sehr gut gefallen und wir würden Sie gerne in einem persönlichen Gespräch kennenlernen.“ Bingo! 

Die Vorfreude und Hoffnung auf einen neuen Job ist bei fast Jedem von uns immer groß. Denn meistens haben wir uns ja auf eine Stelle beworben, die sowas von auf einem passt, dass man sich gedanklich bei dem neuen potenziellen Arbeitgeber schon am Schreibtisch sitzen sieht. Das kleine Gefühl von Abenteuer, wo wir nicht so ganz genau wissen was uns erwartet. Wir stellen uns vor, wie wir morgens in die Arbeit gehen, mit den Kollegen zusammen arbeiten, Spaß haben und unsere Ideen einbringen können.

So war es auch bei meiner Freundin, die sich auf eine „Super Stelle“ beworben hat.  Für sie, als Mama war diese perfekt. Ein anspruchsvolles Aufgabengebiet, wo sie ihre Berufserfahrung komplett einbringen konnte. Bei einem Unternehmen, was nach außen hin einen sehr innovativen und professionellen Eindruck macht, familienfreundlich erscheint und sie sich mit der Firma auf den ersten Blick auch identifizieren konnte.

Ich will unbedingt diesen Job!

Das erste Gespräch mit der Fachabteilung  verlief so positiv, dass sie gleich zu einem Zweitgespräch eingeladen wurde. Bei diesem Zweitgespräch sollte sie dann ein Konzept erarbeiten für das zukünftige Aufgabengebiet, wo sie anfangen wollte. Sie hatte mich dann kontaktiert und mir grob erzählt, was die Rahmenbedingungen waren. Als ich das hörte, machte sich sofort ein ungutes Gefühl in mir bemerkbar. Hier ging es um eine Ausarbeitung von einem mehrseitigen strategischen Konzept mit ihren Ideen, welches bei Beauftragung zum Beispiel an eine externe Agentur für das Thema mehrere tausend Euro kosten würde.

Nun ja, sie war total motiviert und hing sich voll rein. Das Unternehmen war von der Vorstellung des Konzeptes so begeistert, dass meine Freundin gleich noch am selben Tag eine Zusage für die nächste Bewerbungsrunde erhielt. Das sollte dann bereits der dritte! Termin sein. Nein, es ging hier nicht um eine Vorstandsposition. Es war eine ganz normale Stelle im Marketing.

Ein unendlicher Bewerbungsmarathon

Also auf in Runde drei. Hier sollte sie dann ein weiteres Konzept vorstellen. Allerdings war dieses Konzept aus einem komplett anderen Bereich, was die ausgeschriebene Stelle gar nicht beinhaltete. Aber meine Freundin hatte in dem Thema auch Berufserfahrung und das Unternehmen war hier überhaupt noch nicht aufgestellt mit entsprechenden erfahrenen Mitarbeitern. Wahrscheinlich dachten sie sich….. „Mal sehen, welche Ideen sie hier so hat“…. Und auch hier investierte sie unheimlich viel Zeit. Der Wunsch, diesen Job zu bekommen, war so groß und das Ziel auf die Zusage zum Greifen nah. Sie konnte natürlich auch hier überzeugen und das Unternehmen war so begeistert, dass intensiv im Gespräch noch fachspezifische und strategische Fragen gestellt wurden. Das Ganze dauerte dann auch knapp drei Stunden.

Wenn Ihr jetzt denkt, dass der Bewerbungsmarathon vorbei war, muss ich leider verneinen. Es gab tatsächlich danach noch die vierte Bewerbungsrunde. In diesem Gespräch ist das Unternehmen nochmal auf die Motivation eingegangen und sie hatte die Gelegenheit das Team kennenzulernen.

Nach gefühlt einen nie endenden und sehr zeitintensiven Bewerbungsmarathon hat sie schließlich eine Absage bekommen. Mit der Standardbegründung natürlich, dass es nicht am Fachlichen lag. Man hat sich einfach für jemand anderen entschieden, der noch besser ins Team gepasst hat.

Enttäuschung und Sprachlosigkeit

Große Enttäuschung! Neben der Zeit, die sie hier investiert hat, gab es da die Hoffnung und der Wunsch als Mama einer Tätigkeit nachzugehen, die ihr Spaß macht und wo sie sich beruflich weiterentwickeln kann.

Ich muss Euch sagen, dass mich das so wütend macht.

Ich bin wütend auf die Unternehmen, die die Hoffnung und Motivation der Bewerber teilweise ausnutzen.

Ich bin sprachlos darüber, wie Bewerbungsprozesse künstlich in die Länge gezogen werden. Damit auch ja der „perfekte Mitarbeiter“ gefunden wird.

Ich bin entsetzt, wenn der Bewerbungsprozess darauf abzielt neue Ideen für das Unternehmen zu bekommen. Um sich dadurch Kosten zu sparen und auf dem Feld der neuen innovativen Ideen mitspielen zu können. Auch wenn sie nicht von einem selbst stammen.

Die neue Arbeitswelt beginnt mit einem Miteinander

Natürlich habe ich jahrelang auch auf der Seite der Unternehmen als Personaler gesessen und weiß genau, wie sowas abläuft und umso trauriger macht es mich, dass manche Arbeitgeber immer noch nicht erkannt habe, dass sich unsere Arbeitswelt verändert und wir, als neue Generation, ein anderes Miteinander anstreben. Als Personaler ist es meine Aufgabe in Zusammenarbeit mit den zukünftigen Kollegen und Vorgesetzten eine gute Mitarbeiterauswahl zu treffen. Sicher spielt die fachliche Kompetenz eine wichtige Rolle, aber an erster Stelle steht die Persönlichkeit des Menschen. Ja, es geht um Menschen! Neben all den innovativen Auswahlverfahren, Prozessen und Arbeitsweisen darf die Menschlichkeit und Empathie nicht verloren gehen.

Der Beginn eines Arbeitsverhältnisses beginnt wie in einer Partnerschaft für mich. Man lernt sich kennen, beschnuppert sich und entscheidet, ob man zueinander passt. Dies geschieht auf Augenhöhe. Partnerschaftlich! Dabei darf der zukünftige Arbeitgeber nicht die Macht über mich bekommen und meine Suche nach einem neuen Job ausnutzen. Wenn dem so ist, ist es nicht der richtige Arbeitgeber….Zumindest für mich!

Wie ist es bei Euch bisher in Bewerbungsgesprächen gelaufen? Habt ihr bisher positive oder auch schon mal negative Erfahrungen mit Unternehmen gemacht? Ich freue mich über Eure Antworten.

Eure Sabrina

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